Bühne frei für deinen Online-Vortrag! Welche Unterschiede kannst du zu einer Live-Präsentation beachten, damit dein Online-Vortrag in guter Erinnerung bleibt?

Wenn du von zuhause aus präsentierst, hast du plötzlich ganz neue Möglichkeiten, deine virtuelle Bühne zu gestalten. Du kannst deinen Auftritt eigenständig inszenieren und mit deinen wichtigsten Instrumenten, der Körpersprache und deiner Stimme verstärken. Externe Medien wie PowerPoint kannst du anders als gewohnt zur Geltung bringen. Was beide Vortragsarten gemeinsam haben: Dein Publikum hört dir eher zu, wenn du es aktiv einbindest.

Virtuelle Bühnen und deine Inszenierung

Wolltest du schon immer mal in einem tropischen Inselparadies arbeiten? Möchtest du an Videokonferenzen teilnehmen, in denen du wehende Palmen am sonnigen Meeresstrand im Hintergrund zeigst? Wie so viele andere Menschen nutze ich in den letzten Wochen die Zoom-Software, um vom Homeoffice aus zu kommunizieren. Einen wesentlichen Teil machen Online-Präsentationen aus. Hier kannst du vor den verschiedensten virtuellen Hintergründen erscheinen: Die Golden Gate Bridge von San Francisco, zwischen Grashalmen, vom Weltraum aus, vor dem Nordpolarlicht oder im stylisch eingerichteten Bürozimmer. Ganz unzweifelhaft sind das tropische Inselparadies und der Sonnenaufgang im Weltraum die großen Renner.

Ganz gleich vor welchem virtuellen Hintergrund du erscheinst: Ich sehe so manche Redner, deren Arme oder andere Körperteile bei der nächsten leichten Bewegung scheinbar verschwinden. Hier kannst du Abhilfe schaffen, indem du darauf achtest, dass dein Hintergrund möglichst einfarbig und gut ausgeleuchtet ist. Wenn du ohne virtuellen Hintergrund arbeitest, achtest du am besten darauf, dass dein Zimmer möglichst aufgeräumt ist. So lenkst du deine Zuschauer nicht unnötig ab. Was ich am häufigsten sehe: Vollgestopfte Bücherregale (hier werde ich neugierig, welche Bücher der Redner liest), Bügelbretter und vollbehangene Wäscheständer, Schlafzimmer, Werkstatt mit allerlei Gerümpel, Gartenhäuschen sowie Fotos und Poster in unterschiedlichsten Größen. Ohne Zweifel wirkt ein ruhiger Hintergrund am besten, weil der Fokus bei der Person bleibt.

Trägst du Kleidung, die in starkem farblichen Kontrast zu deinem natürlichen oder virtuellen Hintergrund steht? Karierte, gestreifte oder andere gemusterte Hemden und Pullover flimmern im Kamerabild und wirken deshalb besonders unruhig. Deshalb bevorzuge ich unifarbene Kleidung. Wie kleidest du dich: Business, Business Casual oder legerer Freizeitlook? Wirklich wahr: Ich habe einen Online-Teilnehmer erlebt, der oben mit schickem Hemd gekleidet war, sonst nur seine Unterhose anhatte. Das sollte dir nicht passieren. Auch wenn man oft nur den Oberkörper sieht: Ich ziehe immer auch gute Schuhe an, damit ich mich zuhause wie auf einer echten Bühne stehend fühle.

Mache dir auf jeden Fall rechtzeitig Gedanken um deine Inszenierung: Wie willst du auf dein Publikum wirken? Wie viel gibst du aus deiner privaten Umgebung preis? Hast du potenzielle Störgeräusche beseitigt? Hast du deine Mitbewohner informiert, damit diese nicht versehentlich während deiner Online-Präsenz in Ton und Bild für andere sichtbar erscheinen?

Wenn du deine Bühne eingerichtet hast, ist der nächste wichtige Aspekt, wie du den für dein Publikum sichtbaren Bereich für deinen Vortrag nutzt. Bis zu welchen Bereichen kannst du dich bewegen? Wie nah stehst du zur Kamera? Wie viel von deinem Körper ist sichtbar? Präsentierst du im Sitzen oder doch besser im Stehen? Auch das ist Teil deiner Inszenierung. Wenn ich moderiere oder rede, stehe ich lieber. Dementsprechend improvisiere ich: Die Kamera bzw. Kameralinse befindet sich in Augenhöhe. Meinen Laptop stelle ich dementsprechend auf einen Stuhl oder Bücherstapel auf meinem Schreibtisch.

 

Körpersprache und Stimme sind auch online wichtig

Sind Mimik und Gestik sowie deine Stimme schon im Live-Vortrag von Bedeutung, so gilt das umso mehr für deine Online-Präsentation. Die Kamera wirkt hier wie ein Brennglas, denn dein Publikum kann nur diesen kleinen Ausschnitt von dir erfassen. Es sieht meist nicht dein gesamtes Auftreten wie im Live-Vortrag. Deshalb ist das passende Kamera-Setting ein wichtiges Element für deine Vorbereitung.

Deine Mimik sticht besonders heraus, wenn du nah an der Kamera bist und dein Gesicht gut sichtbar ist: In den meisten Online-Vorträgen sehe ich Gesicht und einen Teil des Oberkörpers des Redners. Nur wenige Redner zeigen sich mit Ganzkörperaufnahme – dann ist deine Mimik natürlich nur noch minimal erkennbar. Wie für alle Vorträge empfehle ich auch hier ein echtes Lächeln. Bist du nicht ohnehin schon in der passenden Stimmung, kannst du dich hierauf mental vorbereiten. Die einfachste, aber bei weitem nicht die einzige Technik ist hier, dass du dir einen Stift für etwa fünf Minuten zwischen die Zähne klemmst. Viele schaffen es auf diese Weise, sich mit dem zunächst etwas zwanghaften Lächeln in gute Stimmung zu bringen, und das überträgt sich dann auch auf deinen Vortrag.

Gesten wirken online hingegen eher übertrieben, so dass sich hier ein eher dezenter Einsatz eignet. Zum einen ist deine virtuelle Bühne begrenzt, so dass etwa ausladende Gesten wie weit ausgebreitete Arme nur sichtbar sind, wenn du weiter entfernt von der Kamera stehst. Zum anderen wirken schnelle Bewegungen online eher hektisch. Manche Kameras können das nicht einfangen, so dass dein Video nicht mehr vollständig übertragen wird und dein Bild zeitweise einfriert. Für deine Vorbereitung heißt das: Übe deinen Vortrag mit Video-Übertragung, zeichne das Video auf und spiele es hinterher nochmals ab, um zu sehen, wie du dort wirkst. Programme wie Zoom erlauben Aufnahmen auch in der Free-Version. Alternativ kannst du das Video natürlich auch mit deinem Smartphone aufzeichnen und abspielen.

Du kannst auch mit der Entfernung spielen: Bei Zitaten, Botschaften und persönlichen Geschichten gehst du näher an die Kamera heran und schaust dein Publikum direkt an. Hingegen stehst du etwas weiter entfernt, wenn du gerade an der Beweisführung für eine vorher aufgestellte These bist.

Für deine Stimme gilt meist das, was auch für einen Live-Vortrag wichtig ist: Stimmvolumen und Tempo, Stimm-Melodie, Betonung und Pausen färben deine Rede und transportieren einen wesentlichen Teil deiner Persönlichkeit zum Publikum. Online ist es umso wichtiger, dass du dich klar und deutlich artikulierst, weil deine Stimme immer auch leicht verzerrt dargestellt wird. Bedenke, dass Video-Übertragungen herausfordernd sind: Dein Publikum ermüdet schneller, weshalb du ein langsameres Sprechtempo wählen und ganz bewusst Pausen einstreuen solltest. Aus eigener Erfahrung empfehle ich dir, ein externes Mikrofon oder ein Headset zu verwenden. So kannst du dich vor dem Laptop freier bewegen und die Distanz variieren, ohne dass die Übertragung deiner Stimme hängt. Sprichst du nur in das Laptop-integrierte Mikrofon, bist du auf permanente Nähe zu diesem angewiesen und hast nur wenig Bewegungsradius für eine störungsfreie Übertragung.

 

Online-Interaktion mit deinem Publikum

Wenn du auf der echten Bühne PowerPoint als visuelles Hilfsmittel einsetzt, kannst du mit aussagekräftigen Fotos und Grafiken wunderbare Aha-Effekte erzielen. Umgekehrt nimmt dir ein Zuviel an PowerPoint viel von deiner persönlichen Wirkung. So ringst du als Redner fortwährend um die Aufmerksamkeit deines Publikums. Deshalb empfehle ich für deinen Live-Vortrag, gelegentlich schwarze Folien einzubauen, damit dein Publikum dir persönlich folgt. Diese Sichtbarkeit ist besonders wichtig, wenn du persönliche Erzählungen einbaust, Kernbotschaften kommunizierst oder einen direkten Appell an dein Publikum richtest.

Online solltest du für dich klären, an welchen Stellen du auf die Folien-Präsentation wechselst. Auf Zoom bist du parallel zu den Folien sichtbar. An der Stelle ist wieder der Blick in die Kamera-Linse wichtig, damit du möglichst direkten Publikums-Kontakt hältst. Alternativ kannst du die Folien auch in deinen Hintergrund einbetten. So bleibst du einerseits im Vordergrund, musst aber andererseits entscheiden, an welcher Stelle im Raum du dich so stellst, damit zumindest die wichtigsten Bildausschnitte sichtbar sind. Plane also schon vorher, wie du die entsprechenden Folien aufteilst.

Für Fragen und die oft an deinen Vortrag folgende Diskussionsrunde bist du sicher gut vorbereitet: Rechne mit allen möglichen Fragen, die während oder nach deinem Vortrag aufkommen könnten. Läuft nebenher ein Online-Chat? Dann ist doppelte Aufmerksamkeit gefragt: Plötzlich aufpoppende Fragen nehmen die meisten Redner nicht wahr oder lenken sie so sehr ab, dass ihr Redefluss und damit zugleich die Redestruktur völlig verloren geht. Auf der sicheren Seite bist du, wenn du alle Fragen erst nach Ende deiner Präsentation beantwortest. So kannst du dich zunächst ganz auf deinen Vortrag konzentrieren. Es hilft dir ungemein, wenn du – oder der zuständige Moderator – schon im Vorfeld dafür sorgst, dass alle Teilnehmer während der Präsentation stummgeschaltet sind. So kommt niemand in die Verlegenheit, überraschende und ablenkende Hintergrundgeräusche mitzuhören.

Für die Diskussion kannst du einen Freund oder eine Kollegin um Unterstützung bitten: Sie kann alle aufkommenden Fragen sammeln, vorstrukturieren und dir passend im jeweiligen Abschnitt oder nach Ende der Präsentation übergeben.

Manche Teilnehmer schalten auch die Bildübertragung aus und sind nicht sichtbar für dich. Richten diese dann aus dem Off eine Frage an dich, schaust du dennoch direkt in die Kamera. Es kann auch sein, dass deren Internetverbindung zu schwach ist, also deren Bandbreite nicht ausreicht, um eine einwandfreie Ton- und Bildübertragung zu gewährleisten.

Besonders interaktiv und das Publikum motivierend ist es, wenn du Online-Umfragen in deine Präsentation einbaust. Mit einer entsprechenden App ausgestattet, stellst du gezielt vorformulierte Fragen, um so ein Meinungsbild deines Publikums einzuholen. Oder du lässt offene Fragen zu: Sobald das Publikum diese absendet, werden die Antworten für alle sichtbar. Wichtig ist, dass du die Antworten auch adressierst: Manche Redner stellen ihrem Publikum Fragen um der Interaktion willen, gehen dann aber nicht auf die Ergebnisse ein. Beachte also diesen Punkt und ergreife die Chance, die Ergebnisse gemeinsam zu diskutieren. So bindest du dein Publikum inhaltlich optimal ein.

Im letzten Blog ging es darum, wie du dein Publikum beim Online-Vortrag aktiv einbindest, damit es Ablenkungen widersteht und dir von Anfang bis Ende aufmerksam zuhört. Hier hast du erfahren, wie du dich auf der virtuellen Bühne inszenierst und den Kontakt zum Publikum verbal und durch Körpersprache hältst. Im nächsten Blog bringe ich dir die wichtigsten technischen Feinheiten nahe, damit du auch in dieser Hinsicht optimal aufgestellt bist.

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