Hängst du dein Publikum gern ab? Oder reißt du es mit, so dass es dir beständig aufmerksam zuhört? Ein Kriterium ist eine eingängige, glasklare Struktur. Ein starker Einstieg ist genauso wichtig wie ein interessanter Hauptteil und ein aussagekräftiger Schluss. Klare Übergänge wie betonte Pausen und Positionswechsel geben deinem Publikum Orientierung. Dazu kommen Interaktionen anhand von Umfragen, Quiz und kurzen Diskussionen. Manchmal helfen überraschende Wendungen.

Der erste Satz gehört dir!

Wann beginnt deine Präsentation? Die meisten würden an dieser Stelle sagen: Wenn du den ersten Laut von dir gibst. Andere verweisen auf die Zeit der Vorbereitung lange vor dem Vortrag. Sobald die Moderatorin deinen Namen nennt und du dich von deinem Platz erhebst, kannst du mit deinem Publikum kommunizieren und einen positiven ersten Eindruck geben. Wer sich gekrümmt und mit angespannter Miene bewegt wirkt anders als die Rednerin, die sich auf ihren Vortrag freut, mit dem Publikum flirtet und dem einen oder anderen Zuschauer Blicke und ein Lächeln zuwirft, während sie dynamisch zum Podest geht.

Manche starten mit dem altbackenen „Sehr geehrte Damen und Herren…“, was heute meist altbacken wirkt. Andere entschuldigen sich mit einem Einstieg wie „Leider hatte ich kaum Zeit zur Vorbereitung.“ Das wirkt respektlos dem Publikum gegenüber, weil der Redner offenbar andere Prioritäten setzt oder orientierungslos wirkt. Häufig starten Redner mit Dankes-Orgien: Sie danken 27 Freunden und Kollegen bis hin zur Großmutter. Starten sie ins eigentliche Thema, ist die Hälfte des Publikums schon anderweitig beschäftigt.

Es geht auch anders: „Der erste Satz gehört dir!“ Du entscheidest selbst, wie du in deinen Vortrag einsteigst. Abgesehen von seltenen formalen Anlässen wie der Begrüßung des Bundespräsidenten oder eines Kardinals kannst du deinen Einstieg frei gestalten. Lass dir hier von niemand anderem reinreden!

Zu Beginn ist dein Publikum neugierig auf dein Vortragsthema. Es wird sehr aufmerksam zuhören. Doch viele Redner wiederholen das von der Moderatorin Gesagte und zeigen eine Übersicht auf PowerPoint: „Ich fange 1. mit der Einleitung an, dann kommt 2. unsere These, danach stelle ich 3. die Arbeitsmethoden vor. Anschließend präsentiere ich Ihnen 4. die Ergebnisse meiner Studie, bevor ich 5. das Fazit ziehe, Ihnen 6. die Dankeschön-Folie mit einem Hund auf der Blumenwiese zeige. Auf der letzten Folie sehen Sie 6. noch meine Literaturliste und die Sponsoren. Lassen Sie mich jetzt also starten…“ Dieser Einstieg mag überzeichnet sein. Faktisch sehe ich das bis heute in vielen Vorträgen. Es reißt niemanden vom Hocker, Begeisterungsstürme bleiben aus und in den allermeisten Fällen ist die Vortragsstruktur gerade im wissenschaftlichen Umfeld annähernd identisch.

Wie nimmst du dein Publikum zu einem spannenden Vortrag mit? Du kannst Überraschendes äußern, etwa als Gegensatz: „Weniger ist mehr: Je kürzer unsere Vorbereitungszeit ist, umso effektiver arbeiten wir!“ Fast schon ein Klassiker sind direkt ans Publikum gerichtete Fragen – hier mit Bezug auf das Event oder auf dein Vortragsthema: „Wer von Ihnen möchte bis 2040 gern zum Mars reisen?“ oder „Wer liest heute überwiegend E-Books?“ Damit provozierst du, dass dein Publikum aktiv agiert. Jetzt geht es darum, dass du deren Reaktion in dein Vortragsthema einbaust oder mit Ergebnissen aus anderen Abstimmungen vergleichst, zu aktuellen Trends Stellung nimmst. Du kannst dein Publikum mit rhetorischen Fragen zum Nachdenken anregen oder Emotionen adressieren, etwa die Ängste oder Wünsche deiner Zuschauer. Hier solltest du spätestens zum Ende des Vortrags eine positive Wendung bringen.

Weitere Einstiegs-Varianten für ein wissenschaftliches Setting findest du hier: https://redelandschaften.de/der-erste-satz-gehoert-dir/

 

Strukturiere komplexe Informationen im Mittelteil

Fokussiere dich schon beim Vorbereiten deines Vortrags auf kompakte Informationen, die du punktgenau kommunizieren kannst. Es geht um die Essenz deines Themas. Hast du deine Inhalte zusammen, kannst du sie anhand folgender Muster strukturieren:

  • Chronologisch. Das bietet sich für Vorträge an, in denen du eine historische, zeitliche Entwicklung abbildest. Auch einzelne Entwicklungsstufen eines Produkts bieten sich an. In meiner Zeit als Wissenschaftler konnte ich Chronosequenzen von Paläoböden so abbilden, dass Prozesse der Bodenbildung je nach Alter einen bestimmten Reifegrad abgebildet haben.
  • Pro & Contra. Kontrovers diskutierte Themen kannst du aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. Welche Fraktionen sitzen in deinem Publikum? Kannst du deren Standpunkte exemplarisch einnehmen? Eine Option sind Publikums-Umfragen, die du anhand der Ergebnisse diskutieren kannst. Achte auf inhaltliche und zeitliche Ausgewogenheit, damit sich keine Fraktion benachteiligt fühlt und bedenke, dass daraus resultierende Diskussionen kurz und kompakt bleiben.
  • Narratives Spektrum. Mein persönlicher Favorit ist eine simplifizierte Struktur des Storytelling, das „Narrative Spektrum“ nach Randy Olson. Hier setzt du mit einem „Und“ die wichtigsten Ergebnisse deiner Studie in Kontext zueinander. Durch das „Aber“ ändert sich die Erzählrichtung, womit du inhaltlich für Spannung sorgst. Das „Deshalb“ beinhaltet eine Konsequenz. Damit bildest du einen neuen Wissensstand ab. Mit dieser Struktur regst du dein Publikum zum Mitdenken an, ohne es zu verwirren. Diese „Und – Aber – Deshalb“-Struktur kannst du auch für einzelne Ergebnisse deiner Studie nutzen.
  • Storytelling. Am bekanntesten ist zweifellos die Heldenreise nach Joseph Campbell. Sie beinhaltet 17 oder je nach Interpretation 12 Stationen und ist für viele Kurzvorträge zu umfangreich. Ein Held packt ein bestehendes Problem an. Zur Lösung muss er diverse Herausforderungen meistern. Zum Höhepunkt der Geschichte entscheidet sich die weitere Handlungsrichtung, bis er das Problem endgültig löst. Im Fazit hebst du die zentrale Botschaft deiner Geschichte hervor. Der Held hat sich während der Reise verändert.
  • Fiktion und Vision. Fiktionen eignen sich, wenn du technische Informationen in die Realität überträgst. Für dein Publikum wird der Inhalt greifbar. Ein Beispiel ist, wie sich chemische Elemente miteinander unterhalten, bis es zur Reaktion hin zu einem veränderten Zustand kommt. Alternativ kannst du eine Zukunftsperspektive in die Gegenwart holen. Bedenke, dass du dem Publikum den Unterschied zwischen Fiktion und Realität nennst, damit es nicht zu Verwechslungen und Irritationen kommt.

Wie du deinen Vortrag außerdem noch strukturieren kannst findest du hier: https://redelandschaften.de/die-science-story-glanzlichter-mitten-im-vortrag/

 

Der letzte Satz gehört dir: So erinnert man sich an dich

Du sitzt im Publikum und hörst einem Redner zu. Der beendet seinen Vortrag mit den Worten: „Ich hoffe, es hat Ihnen gut gefallen.“ Bist du jetzt begeistert und von den Socken? Ich bin sicher: Das Gegenteil ist der Fall.

Bedenke: Dein Publikum wird sich gerade an den Abschluss deiner Präsentation erinnern. Es ist der letzte Eindruck. Deshalb ist gerade das Ende einer Rede wichtig. Vermeide nichtssagende Floskeln, die üblichen Dankeschön- und Literatur-Folien oder Entschuldigungen.

Du hast eine Reihe geeigneter Möglichkeiten, deinen Vortrag zu beenden. Hebe deine wichtigste Aussage im letzten Satz hervor: „ResearchGate und LinkedIn sind die wichtigsten Netzwerke für unsere Online-Sichtbarkeit.“ Oder motiviere dein Publikum zu einer unmittelbaren Handlung: „Auf unserem Messe-Stand bekommen Sie kostenlose Probe-Exemplare.“

Alternativ kannst du die Kernbotschaft deines Vortrags wiederholen und so prominent hervorheben oder du beziehst dich auf das zu Beginn Gesagte. Hast du ein persönliches Erlebnis geteilt, kannst du jetzt die Wirkung auf die Gegenwart hervorheben oder konkrete Zukunftsperspektiven aufzeigen.

Dein Publikum nimmt auch wahr, wie du von der Bühne gehst. Mache es nicht so wie einer meiner Kollegen, der auf einem Kongress nach Ende der Diskussion einen Stoßseufzer von sich gab und sich im Gehen den Schweiß von der Stirn wischte. An diese Szene erinnere ich mich auch nach 12 Jahren noch – lange nachdem ich den Inhalt vergessen habe. Deine Präsentation endet de facto erst, wenn du nicht mehr auf der Bühne stehst und dich wieder im Publikum gesetzt hast.

Mein Motto für jeden Vortrag: „Der letzte Satz gehört dir!“ Geschickt eingesetzt, wird dir dein Publikum bis zum Ende deines Vortrags folgen. Wie du zur nachfolgenden Diskussion überleiten kannst, kannst du hier nachlesen: https://redelandschaften.de/souveraenes-ende-mit-anregender-diskussion/

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