Mit einer einzigen Rede kann ich heute Millionen Menschen erreichen. Ein enormes Potenzial für jene, die etwas zu sagen haben, die authentisch und mit einer gewissen Kompetenz präsentieren können.

Der Kurator der TED Talks Chris Anderson nennt die Zahl von über 1 000 Rednern, denen das bis 2016 bereits gelungen ist. Allein die 25 populärsten TED Talks erzielen eine Reichweite von jeweils 16 bis 56 Millionen Klicks. Auf YouTube erreichen die TED und TEDx Talks mittlerweile 30 Millionen Abonnenten mit 4,4 Milliarden Klicks.

 

Erfolgsgeheimnis der TED Talks

In seinem Buch „TED Talks. The Official Guide to Public Speaking“ geht Anderson auf zahlreiche Elemente erfolgreicher TED Talks ein: Von den Grundlagen wie einer guten Idee und dem Einhalten des roten Fadens während des Auftritts, über Instrumente wie dem Aufbau einer persönlichen Beziehung zwischen Redner und Publikum. Er bringt zahlreiche gelungene Beispiele packender, mitreißender Geschichten. Alle TED Talks sind extrem gut vorbereitet. Ein Grund für die hochklassigen Vorträge sind intensive, professionelle Coachings für jeden einzelnen Redner. Das reicht von der mentalen Vorbereitung über die kompetent-ansprechende Vermittlung des Inhalts der Rede bis hin zum Outfit. Hier wird nichts dem Zufall überlassen. Die Reden wirken frisch und natürlich anstatt auswendig gelernt.

Die meisten Informationen im genannten Buch sind nicht ganz neu. Ich habe dennoch einige besonders wertvolle Tipps mit Praxis-Beispielen für dich recherchiert. Setzt du diese für dich um, wirst du deinem Publikum künftig sicher sehr hochwertige Vorträge präsentieren.

 

Manuskripte in der Vorbereitung

Viele Redner nutzen ein Skript, an welches sie sich mehr oder weniger strikt halten, bis sie ihren Vortrag auswendig gelernt haben. Aber weder das Auswendiglernen noch das schriftliche Skript als Ausgangspunkt der Rede sind empfehlenswert. Du erreichst eine deutlich bessere Qualität, wenn du deine Rede unmittelbar beim Sprechen entwickelst. Die mit Diktiergerät oder Smartphone aufgenommene Rede kannst du verschriftlichen und im Laufe deiner Vorbereitung weiter verbessern. So bist du vom ersten Moment an wesentlich näher am gesprochenen Sprachstil als am geschriebenen.

 

Die meisten TED-Redner haben ein vollständiges Redemanuskript und prägen sich ihren kompletten Vortrag ein. Sie reden dann aber nicht so, als ob es auswendig gelernt klingt. Entscheidend ist an dieser Stelle, dass du zu jedem einzelnen Inhalt deiner Rede mehr sagen könntest, als du es tatsächlich tun wirst. Allein dadurch wirst du in deiner Vorbereitung spielerisch und variantenreich formulieren, bis du eine finale Version deines Vortrags herausgearbeitet hast.

 

Mentale Vorbereitung, die wirkt

Neben der inhaltlichen Vorbereitung stimmen sich viele Redner auch mental auf ihren Vortrag ein. Sie machen sich bewusst, welchen Mehrwert sie mit ihrer Präsentation für ihr Publikum transportieren können. Sie passen die Inhalte jedes einzelnen Vortrags passend an ihre jeweilige Zielgruppe an, damit das jeweilige Publikum den größtmöglichen Wert bekommt. Allein schon deshalb ist jede Präsentation einzigartig.

Manche Redner nehmen schon vor dem Vortrag gezielt Kontakt zu ihrem Publikum auf. Gerade auf Tagungen ergibt sich häufig die Chance, vor einer Session mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen, alte Kontakte aufzufrischen und so ein Gespür für die Stimmung und die Erwartungshaltung des Publikums aufzunehmen. Alte und neue Kontakte sind Anker im Publikum, zu denen der Redner Blickkontakt aufnimmt.

Andere Redner bevorzugen Ruhe und ziehen sich zurück. Meditation und Entspannung können ebenfalls helfen, den Adrenalinspiegel zu reduzieren.

Ungünstig sieht es auf den ersten Blick für jene aus, die unmittelbar nach dem Mittagessen auf der Bühne stehen müssen. Dann ist leichte Kost eher angebracht als kalorienhaltige Nahrung – wenn überhaupt. Auf jeden Fall hilft es, ein Glas Wasser oder etwas Erfrischendes zu trinken, damit der Mund nicht austrocknet. Ich selbst kaue vor meiner Präsentation übrigens gern Kaugummi, um so meine Mundmuskulatur zu trainieren.

Chris Anderson hat einst unmittelbar vor einem Live-Interview seine extreme Anspannung in den Griff bekommen, indem er einige Liegestütze gemacht hat. Auf diesem Weg hat er das überschüssige Adrenalin abgeleitet, so dass er auf der Bühne Ruhe und Selbstvertrauen ausgestrahlt hat. Ich selbst laufe oder bin anderweitig sportlich aktiv, bevor ich meine Rede halte – natürlich nicht unmittelbar vor dem Vortrag, sondern am Vorabend oder, bei Abendvorträgen, morgens oder am frühen Nachmittag. Damit ich genügend Reserven für den Vortrag habe, verausgabe ich mich bei diesem Lauf nicht. Entscheidend ist, dass ich die Energie in meinem Körper spüre: Ich habe etwas Gutes für mich getan. Mein Publikum kann mir ansehen, in welchem Energiezustand ich meinen Vortrag halte.

 

Lebendige und aussagekräftige Grafiken

Viele Vorträge beinhalten auch heute noch PowerPoint-Folien. Fotos und einfach verständliche Grafiken fördern zweifellos das Verständnis und tragen zur guten Unterhaltung und Veranschaulichung der häufig Theorie-lastigen Inhalte bei. Ich will auf etwas anderes hinaus: Grundlage eines guten Vortrags ist es eben nicht, dass man ganze Skripte und Tabellen zusammenwürfelt, an einem Vormittag sortiert und fertig ist die Präsentation. Im Gegenteil! Bilder unterstützen deinen Vortrag nur, wenn sie eine neue Information enthüllen oder von dir eingebrachtes Wissen verstärken. Nicht zuletzt haben Bilder eine besonders ästhetische Wirkung – sie sprechen den visuellen Sinn deines Publikums an. Und: Immer nur ein Bild pro Folie! Der populärste TED-Redner ist in dieser Hinsicht Hans Rosling. Er hat besonders viel Zeit in die Vorbereitung seiner Folien gesteckt. In seinen insgesamt zehn TED Talks können wir sehen, wie Rosling komplexe Daten zerpflückt, trockene Materie spielerisch zu Leben erweckt und somit Trends und langfristige Entwicklungen visuell sichtbar macht. Die Inhalte seiner Reden sind immer schnell verständlich und extrem unterhaltsam.

 

Neue Formate für Redner

Chris Anderson wagt die Prognose, dass sich die Vortrags-Varianten in den nächsten Jahren vervielfältigen werden: Neue Formate werden für Abwechslung und noch mehr Unterhaltung sorgen. Anderson betont aber auch, dass es in erster Linie immer um die Idee an sich gehen wird. Substanz schlägt Format! Dennoch: Letztere werden für eine gesunde Vielfalt unserer Redekultur sorgen. Von den 16 in seinem Buch vorgestellten Formaten stelle ich hier drei vor:

  1. Einsatz von Requisiten bzw. Props. Echte Gegenstände in Lebensgröße, ja selbst Tiere auf der Bühne können einen dramatisch positiven Effekt auf das Publikum haben. Ich habe schon Menschen mit Fahrrad und kiloweise Zuckertüten auf der Bühne gesehen, womit sie einen gesünderen Lebensstil visualisieren, während andere ihre Leidenschaft beim Brot und Plätzchen backen zeigen. Props können sehr gute Reden unvergesslich machen.

 

  1. Ansprechen aller Sinne. Das Publikum sieht und hört den Redner, aber was ist mit den anderen Sinnen? Unser Geruchssinn wird angeregt, wenn wir dem Redner beim Brotbacken zusehen, zumindest werden wir uns an den Duft des Brotbackens erinnern, wenn wir dies bereits persönlich erlebt haben. Andere Redner sprühen Parfüm ins Publikum. Ein Faktor, der trotz der limitierten Möglichkeiten sehr effektvoll sein kann – gerade weil es nur wenige Redner einsetzen werden. Selbst elektrische Signale könnten künftig unsere Sinne ansprechen, so Anderson.

  1. Doppel-Präsentationen sind eine besondere Herausforderung. Mit zwei Menschen auf der Bühne verliert das Publikum leicht den Fokus, so dass eine möglichst genaue Abstimmung aufeinander gegeben sein sollte. Neben der abwechselnden Präsentation können sich beide Charaktere sehr gut ergänzen, indem die Inhalte des Redners vom anderen nonverbal imitiert werden: durch Mimik und Gestik, durch spontan gezeichnete Bilder oder Skizzen oder anhand musikalischer Einlagen.

 

Perspektiven für neue Präsentationen

Die eingangs erwähnten 4,4 Milliarden Klicks von TED Talks auf YouTube sind klares Indiz dafür, dass den Online-Präsentationen und insbesondere live übertragenen Vorträgen die Zukunft gehört. Das Publikum und jeder einzelne Zuschauer kann jederzeit individuell und nach inhaltlichem Interesse aussuchen, welche Präsentation gerade interessant ist.

Hier geht es nicht nur um Sichtbarkeit. Vielmehr wird die Kompetenz, vor Publikum oder vor laufender Kamera möglichst authentisch zu präsentieren, künftig eine wesentliche Fähigkeit sein, sich anderen mitzuteilen. Wer dazu in der Lage ist, wird an Ansehen gewinnen und Renommee gewinnen, sprich als Experte seines Fachs sichtbar werden. Vom Schüler und Studenten, der sich beruflich und persönlich weiter entwickeln möchte bis hin zum berufserfahrenen Experten, der sein Netzwerk ausbauen und an Einfluss gewinnen will: Gezieltes persönliches Training und Präsentations-Coaching gehört zu den Schlüsselfaktoren, die dich in deiner Entwicklung als Redner weiterbringen. Die TED Talks zeigen schon heute, welche Reichweite du aufbauen kannst.

Mache dir also bewusst, welche persönlichen Stärken du bereits einbringst und wo deine größten Potenziale stecken. Viel Spaß und Erfolg dabei!

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