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Heute wird anders präsentiert als früher. Wer sein Publikum überzeugen und begeistern möchte, muss heute ganz andere Erwartungen erfüllen als noch vor 20 Jahren. Heute zählen mehr Persönlichkeit sowie die Verbindung von Zahlen, Daten und Fakten mit kurzen Geschichten und Anekdoten, welche dem Publikum einen neuen Kontext geben. Und überhaupt: Anstelle frontaler Vorträge, in denen wir unseren Zuhörern Wissen einhämmern, geht es heute um Infotainment, also die Mischung aus Information und Entertainment. Damit werden Präsentationen wesentlich wirkungsvoller. Hinzu kommt der Einsatz neuer Medien. Was wir niemals unterschätzen sollten: Die Persönlichkeit des Redners entscheidet mit, ob die Botschaft beim Publikum tatsächlich ankommt.

Vortrags-Aspekte Alt: 20. Jahrhundert Neu: 21. Jahrhundert
Vermittlung von Inhalten Reine Wissensvermittlung, technisch Wissen kombiniert mit Unterhaltung („Edutainment“), authentisch-persönlich
Vortragsstil Zahlen – Daten – Fakten Monologe Storytelling
Interaktion mit Publikum
Herangehensweise Das „Was“ ist wichtig:
Fakten stehen im Vordergrund
Das „Warum“ ist wichtig: Persönliche Motivation wird mit einbezogen
Hierarchie Von oben herab, autoritär Auf Augenhöhe, gleichberechtigt
Medien-Einsatz Overhead Projektor, Textlastige Folien mit Aufzählungen („Bullet Points“), z.B. in PowerPoint Medienvielfalt: Requisiten, Experimente, Publikums-Umfragen, Stimulation mehrerer Sinne. Fotos und Bilder, Töne. Einsatz kurzer Filmsequenzen

Vermittlung von Inhalten

Früher lag der Präsentations-Schwerpunkt in der Wissenschaft in der reinen Wissensvermittlung, im Business hingegen in der Wiedergabe technischer Fakten. Heute erwartet das Publikum nicht nur gute Informationen, sondern gleichzeitig auch ansprechende Unterhaltung. Das „Edutainment“, welches im Gabler-Wirtschaftslexikon als Kombination aus Education (Weiterbildung) und Entertainment (Unterhaltung) definiert wird, stellt die spielerische Wissensvermittlung in Bildung und Marketing in den Vordergrund. So wird Wissen scheinbar nebenbei weitergegeben werden. Wer Spaß am Lernen hat, prägt sich wichtige Inhalte schneller und nachhaltiger ein – so die neue Maxime.

So wird die Weitergabe von Wissen um den Faktor Persönlichkeit erweitert: Wer eigene Praxis-Erfahrungen in seinen Präsentation weitergibt, ist glaubwürdiger und erreicht sein Publikum viel schneller als jemand, der nur theoretisches angelerntes Textbuchwissen einbringt. Das Publikum hat heute höhere Ansprüche als noch im 20. Jahrhundert – und dem muss der Vortragende entgegenkommen, will dieser von seinen Zuhörern ernst genommen werden.

 

Vortragsstil

Gute Redner halten heute keine reinen Frontal-Monologe mehr. Sie interagieren mit ihrem Publikum. So schreibt die Spezialistin für Content Marketing Alexa Harrison im Blog der Kommunikations-Expertin und Bestseller-Autorin Nancy Duarte: Bei täglich 30 Millionen PowerPoint-Präsentationen sagen 80 % der Fachleute, dass ihr Publikum durch interaktive Elemente deutlich aufmerksamer sei als bei reinen Monologen 70 % der Marketingspezialisten sehen dies als Schlüssel zur Bindung der Zielgruppe. Flexible, interaktive Präsentationen wirken überzeugender als Frontalvorträge und prägen sich besser ein, so Harrison.

Ein weiteres Standbein sind gute Geschichten: 90 % der Menschen glauben, dass eine starke Erzählung in einer Präsentation entscheidend für das Engagement des Publikums ist. 35 % der Millennials (Generation Y) sagen, dass sie sich nur mit Inhalten beschäftigen, von denen sie glauben, dass sie eine großartige Geschichte oder ein tolles Thema haben. Sie stellen Gegenwart und Zukunft gegenüber: „Was ist?“ und „Was könnte sein?“

 

Herangehensweise

Geschichten wirken umso stärker, je persönlicher sich der Redner präsentiert. Heute sind die persönliche Motivation, die Identifikation mit Inhalten und die Frage nach dem „Warum“ wichtig. Das stellt exemplarisch Simon Sinek 2009 in seinem TEDx-Vortrag „How great leaders inspire action“ heraus: Unternehmen wie Apple, Visionäre wie Martin Luther King Jr. und Pioniere wie die Gebrüder Wright sind Vorbilder, an denen wir uns orientieren können, wenn wir langfristig erfolgreich sein möchten – so Sinek. Hierfür sei stets die persönliche Motivation grundlegend. Diesen TEDx-Vortrag habe ich ausführlich analysiert.

 

Hierarchie

Ich denke gerne an meine Zeit als Dozent an der Universität Bonn zurück: Während der Lehrveranstaltungen mit Studenten so unterschiedlicher Fächer wie Geographie, Geologie, Biologie und aus den Agrarwissenschaften habe ich mich in meine eigene Zeit als Student zurückversetzt gefühlt – mit dem feinen Unterschied, dass ich nun auf der anderen Seite stand, um Wissen zu vermitteln. Meine Mission war damals, die Methode der frontalen Wissensvermittlung aus früheren Zeiten auf ein Minimum zu reduzieren. Anstelle der im 20. Jahrhundert oft noch üblichen Frontalvorträge konnte ich Vorlesungen interaktiver gestalten, so dass sich kurzweilige und abwechslungsreiche Diskussionen entwickeln konnten. Interaktiver bedeutet hier: Es gab Raum für kontroverse Diskussionen. Die Studenten haben sich mit Requisiten (bzw. Props) selbst eingebracht, anstatt nur zuzuhören.

 

Medien-Einsatz

Nur zu gerne möchte ich glauben, dass Professoren und Forscher ihr Wissen heute durch kurzweilige, abwechslungsreiche und spannende Vorlesungen und Seminare weitergeben. Es gibt heute viele gute Ansätze und Lichtblicke. Und doch ist der Weg zu inspirierenden Vorträgen noch weit, wie ich es immer wieder bei offenen Veranstaltungen wie dem „Dies Academicus“ feststelle: Vielfach mit Text überladene PowerPoint-Folien, komplizierte Grafiken, die kaum auch nur im Ansatz erläutert werden, manche kleine bis undeutliche Fotos und Dozenten, die teilweise ohne Punkt und Komma sich um Kopf und Kragen reden. Es ist Teil meiner Mission als Trainer und Präsentations-Coach, Menschen zu hochklassigen Vorträgen zu verhelfen.

Wenn schon PowerPoint, dann doch bitte so, dass unser Publikum die Folien und deren Bedeutung schnell erfassen und auch verstehen kann. Als Redner kannst du das befördern, indem du nur eine Idee, nur eine Statistik pro Folie darstellst! Folien mit klaren Botschaften überzeugen das Publikum viel schneller und nachhaltiger als komplexe Darstellungen.

Neben der Präsentations-Software kannst du vielfältig-verschiedene Medien einsetzen: Requisiten oder Live-Experimente können deinem Publikum einen Mehrwert und Erkenntnis-Gewinn mitgeben. Im besten Fall sprechen wir alle fünf Sinne an, z.B. mit dem Einsatz kurzer Filmsequenzen. Oder wir beziehen unser Publikum aktiv mit ein, wenn wir Umfragen in unsere Präsentation einbauen: Das kann die klassische Frage „Wer von Ihnen…?“ mit anschließender Handmeldung oder die Nutzung von Online-Medien mit entsprechenden Online-Umfragen sein. So bilden wir gleich noch ein entsprechendes Meinungsbild des Publikums ab. Programme und Apps wie Slido, Poll Everywhere, Polly.now und Mentimeter stehen stellvertretend für die Ausbreitung von Abstimmungstools, die Umfrageergebnisse in Echtzeit wiedergeben können. So rechnet Alexa Harrison für 2020, dass in 2 Millionen Veranstaltungen und Meetings Live-Umfragen und Umfrage-Apps durchgeführt werden.

Was gehört nach deiner Meinung dazu, exzellent präsentieren zu können? Teile deine Ideen und Erfahrungen in den Kommentaren.

Hast du den Eindruck, dass dein Publikum deiner Moderation folgt? Kannst du mit kurzen Geschichten und Anekdoten Spannung aufbauen, damit dir die Gruppe begeistert zuhört? Wie gelingt es dir als Moderator, besonderen Mehrwert mitzugeben? Und was kannst du tun, wenn du Workshops oder Debatten moderierst, eine Projektgruppensitzung oder eine Podiumsdiskussion steuerst? Wenn du Veranstaltungen im […]

Stell dir vor, es ist Wissenschaft und keiner geht hin. Das hab‘ ich während meiner Zeit als Student und Forscher immer wieder erlebt. Es gibt Tagungs-Sessions, in denen ganze drei Leute im Publikum sitzen, um einem höchstens mittelprächtigen Vortrag zu lauschen. Nur drei, weil das Thema extrem speziell ist und weil in vielen Vorträgen ganz brav viele Zahlen, Daten und Fakten herunter gebetet werden.

Als Studenten lernen wir viel zweifellos interessanten Stoff – sonst hätten wir uns nicht für ein bestimmtes Fach entschieden. Die meisten Professoren machen sich zu wenig Gedanken darüber, wie sie uns diesen Stoff vermitteln. Kein Wunder beim alltäglichen Arbeitsdruck mit Publikationen, Projektanträgen und dem alltäglichen Verwaltungskram. Da ist die ungeliebte Lehre nur das fünfte Rad am Wagen. Wer aber nie gelernt hat, anständig zu präsentieren, bekommt es höchstens noch als Naturtalent hin, den Stoff spannend, lehrreich und gleichzeitig unterhaltsam zu vermitteln. Das kommt leider viel zu selten vor. Weiterlesen

Kulturelle Entwicklung beruht auf Faktoren wie Sprache, Klima und Umwelt. Wie wir kommunizieren, können wir etwa am Klima, in dem wir leben, erkennen. Ist es kalt, beschränken wir unsere Unterhaltung auf ein Minimum – diese ist eher kurz und zielgerichtet, und wir wirken mitunter zugeknöpft.

 

Präsentation und Sprachstil

Dass Smalltalk unter widrigen Klimabedingungen eher Luxus ist, zeigt sich auch am Sprachstil: Wir fassen uns kurz, Worte haben weniger Nuancen und sind klar und eindeutig definiert. Im Deutschen enden viele Worte auf Konsonanten oder stillen Vokalen. Unsere Sprache ist wegen der weniger ausgeprägten Hoch- und Tieftöne nicht so melodisch wie etwa Spanisch, Französisch oder Italienisch. Dort sind Wortschatz und Stimm-Melodie deutlich variabler als etwa in Deutschland oder Skandinavien. Entsprechend ist die Körper-Sprache unter warm-mediterranen Klimabedingungen wesentlich ausgeprägter.

Diese Unterschiede wirken sich auf den Vortragsstil aus: Wir verleihen einzelnen Worten mehr Gewicht und untermalen diese gerne mit Daten und Fakten – die Sachebene hat Priorität. Als Redner wirken wir fokussiert und inhaltlich stringent, wir sprechen Klartext: Aussagen nehmen wir wörtlich, der Inhalt ist wichtiger als das Gesamtbild. Unser Sprachstil ist sehr direkt und detailliert, Mimik und Gestik sind weniger bedeutend.

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Sarah’s Vortrag war verständlich und unterhaltsam, in der Diskussion hat sie neue Ideen und Einsichten gewonnen. In der Kaffeepause wird sie von anderen Menschen angesprochen, die mehr über ihr Projekt erfahren wollen. Simon ist als Doktorand auf der Fachtagung und hat dem Vortrag interessiert zugehört. Er fragt nach, wie Sarah ihre so gut gelungene Präsentation vorbereitet hat.

 

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Pecha Kucha ist ein besonderes Format für Präsentationen, welches 2003 in Japan von den Architekten Astrid Klein und Mark Dytham entwickelt wurde. Beim Pecha Kucha (sprich: „petschaktscha“, japanisch für „wirres Geplauder, Stimmengewirr“, welches zustande kommt, wenn viele Menschen gleichzeitig reden) setzt du genau 20 Folien ein, die du in jeweils 20 Sekunden präsentierst. So dauert jeder Vortrag exakt 400 Sekunden bzw. 6:40 Minuten.

 

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„Gerne teilen wir Ihnen mit, dass Ihr Vortrag für unsere Tagung ausgewählt wurde…“ Glückwunsch, du hast die erste Hürde genommen!

In der Wissenschaft wird es natürlich gern gesehen, dass Forschungsergebnisse auf Tagungen präsentiert und zur Diskussion gestellt werden. Aber wie bereitest du dich auf Ihren Vortrag vor, und wie präsentierst du deine Inhalte? Welchen Mehrwert schenkst du deinem Publikum? Mit welchen Erwartungen kommen die Menschen zu deinem Vortrag? Weiterlesen