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Wenn ein Vortrag richtig gut ist

Eine Quelle guter und häufig auch inspirierender Vorträge sind sicher die TED Talks und deren Ableger, die weltweit stattfindenden TEDx Talks. Eine der Reden, die mich in den letzten Jahren begeistert hat, ist der Vortrag „How great leaders inspire action“ von Simon Sinek. Wir können gern diskutieren, ob ein solch technisch orientierter Vortrag, der auch einige offensichtliche Schwächen zeigt, nicht noch besser gehalten werden kann. So gibt es nur wenige Lacher im Publikum, der Augenkontakt zwischen Redner und Publikum ist nicht optimal und der Redner fasst sich häufig an die Brille (genau 22-mal) – um nur drei Beispiele zu nennen.

Dennoch: Warum ist sein TEDx-Talk von 2009 der am dritthäufigsten gesehene von mehr als 2 600 TED Talks weltweit? Warum wurde sein Vortrag, den er live vor gerade einmal 50 Zuhörern gehalten hat, bis heute mehr als 37 Millionen Mal auf ted.com und gut 12 Millionen Mal auf YouTube angeklickt? Was hat Simon Sinek also richtig gemacht?

Konkret fallen drei Stärken auf, die er durchweg in seinem Vortrag einbringt:

  1. Seine Präsentation hat eine klare Struktur – die Themen spricht er direkt an, und er bezieht sich im Vortrag immer wieder unmittelbar auf sein Hauptthema.
  2. Sinek bringt sehr starke, bedeutende Aussagen in den Vortrag – und wiederholt diese mehrfach. Entsprechend klar ist sein Sprachstil.
  3. Er beherrscht die Kunst des Storytelling, indem er drei Hauptgeschichten sehr bildhaft nacherzählt.

Wie sehen die Stärken im Detail aus? Welche Inhalte stecken hinter der Struktur, den Aussagen und den Geschichten, die Sinek im Vortrag nutzt?

 

Aufbau und Struktur des Vortrags

Sinek nimmt von Beginn an direkten Kontakt mit seinem Publikum auf. Das geschieht weniger durch seinen Blickkontakt als vielmehr mit einer direkten Frage, die er zudem in einer zweiten Frage formuliert und somit vertieft. Dann folgt schon die konkret darauf bezogene Frage “Why is Apple so innovative?” Und so geht es weiter mit entsprechenden Fragen, was Martin Luther King und die Wright Brothers anders als andere gemacht haben – warum sie letztlich erfolgreich waren.

Mit diesen drei Beispielen steckt Sinek bereits von Beginn an die Themen ab, auf die er sich im Verlauf seines Vortrags immer wieder bezieht. Damit bringt er von Anfang an eine klare Struktur ein.

Erst danach bringt er sich selbst ins Spiel: “About three years ago I made a discovery.” Er baut Spannung auf, weckt die Neugierde der Zuhörer, was jetzt wohl gleich kommt. Das verstärkt er noch mit der kurz darauf folgenden Aussage “Here is the best part!”

Damit führt Sinek sein Publikum direkt zum Hauptteil seiner Präsentation: “The Golden Circle”, welches er auf dem Flipchart visualisiert. Schlicht und einfach, ohne überflüssige Schnörkel verständlich erklärt: “Why – How – What”. An der Stelle greift er wieder die eingangs gebrachten Beispiele Apple, die Wright Brothers und Martin Luther King auf.

Mit Fragen und weiteren Beispielen bildet er Übergänge: “Now let me give you an example of the law of diffusion of innovation.”

Die klare Struktur hält Sinek bis zum Schluss seiner Rede durch. Er endet mit zwei aussagekräftigen Äußerungen und einem sehr kurzen Schluss: “Thank you very much!”

 

Klare Hauptaussagen und ein Sprachstil, der sich einprägt

Sowohl in der Wissenschaft als auch in der Business-Welt gibt es bis heute unzählige Vorträge, denen der rote Faden fehlt. Dazu kommt, dass die Botschaft des Redners verschwommen bleibt, ja sogar dem Redner selbst nicht immer klar zu sein scheint. Gute Reden leben dagegen von klaren, eingängigen Botschaften. Sinek steigt damit schon frühzeitig ein, als er inspirierende Führungspersönlichkeiten von anderen unterscheidet: “They all think, act and communicate in the exact same way, and it’s the complete opposite to everyone else.” Er zeigt, dass das dahinter stehende Muster “probably the world’s simplest idea” ist, und zeichnet dann den von ihm so genannten „Golden Circle” auf Flipchart: Ein einfaches Muster, eingängig und leicht verständlich.

Schon kurz darauf folgt eine weitere Hauptaussage: “People don’t buy what you do they buy why you do it. ” Dies wiederholt er im Lauf des Vortrags noch fünfmal. Man kann darüber streiten, ob das nicht zu viel des Guten ist. Mir hat sich dieser Satz jedenfalls so gut eingeprägt, dass ich ihn im Schlaf aufsagen könnte. Damit hat Sinek ein wichtiges Ziel guter Reden erreicht: Dass seine Botschaften hängen bleiben – auch noch lange nach dem Vortrag.

Es kommen weitere einprägsame Aussagen dazu: “The goal is not to do business with everybody who needs what you have. The goal is to do business with people who believe what you believe.” Sinek variiert diesen Satz mit “…if you hire people who believe what you believe, they work for you with blood and sweat and tears.” und so: “And if you talk about what you believe, you will attract those who believe what you believe.”

Zum Ende seines Vortrags bringt Sinek zwei wiederum besonders wirksame Aussagen ein, die all das vorangegangene auf den Punkt zusammenfassen: “Leaders hold a position of power, or authority. But those who lead inspire us…and it’s those who start with WHY that have the ability to inspire those around them or find others who inspire them.”

Natürlich sind es nicht die Worte allein, die eine starke Wirkung entfalten, sondern auch die richtige Betonung und das passende Tempo. Tatsächlich redet Sinek stellenweise recht schnell. Er setzt zwar Pausen zwischen den einzelnen Abschnitten des Vortrags, diese sind aber recht kurz. Es wirkt beinahe so, als wolle er in der begrenzten Zeit möglichst viele Inhalte unterbringen. Abgesehen davon: Seine Worte sind mit Bedacht gewählt, was auf eine sehr gute Vorbereitung seines Vortrags schließen lässt.

 

Storytelling: Geschichten mitten aus dem Leben

Ganz gleich ob in der Wissenschaft oder im Business: Vorträge leben von kurzweiligen Geschichten. Trockene Vorträge, die ausschließlich auf Zahlen – Daten – Fakten basieren, werden schneller abgehakt und vergessen als Präsentationen, die auch persönliche Erlebnisse oder lebendig nacherzählte Geschichten einbinden. Den Erfolg von Apple erzählt Sinek hier anhand seines „Golden Circle“ nach: Schlechte Marketing-Botschaften durchschnittlicher Unternehmen stellen das „Was“ und das „Wie“ in den Vordergrund. In der realen Apple-Botschaft steht dagegen das „Warum“ im Vordergrund. Vom “Here is how Apple actually communicates…” erzählt Sinek ganz plastisch weiter: “These are the people who stood in the line for six hours to buy an iPhone…” und “The reason that person bought the iPhone in the first six hours was because they believed…they were first.”

Nicht weniger bildhaft nacherzählt ist die Geschichte der Wright Brothers, weshalb ich hier mehr Details bringe. Zunächst bindet Sinek mit Samuel Pierpont Langley einen Gegenspieler ein, dann bildet er die Kulisse, vor der die Szene Anfang des 20. Jahrhunderts spielt: “The pursuit of powered man flight was like the dotcom of the day – everybody was trying it.” Ein schöner, gut nachvollziehbarer Vergleich des technischen Fortschritts damals und heute.

Sinek verdeutlicht auch Gegensätze. So charakterisiert er Langley mit den Worten “…money was no problem…”, “…he was extremely well connected, he knew all the big minds of the day…”, und die Wright Brothers: “…they had none of what we consider the recipe of success: They had no money, they paid for their dream with the proceeds of their bicycle shop…”.

Dann löst er die Situation auf: “The difference was: Orville and Wilbur were driven by a cause, by a purpose, by a belief. They believed that if they could figure out this flying machine, it’ll change the course of the world. Samuel Pierpont Langley was different: He wanted to be rich, and he wanted to be famous. He wasn’t pursued of the result, he wasn’t pursued of the riches…[he] just worked for the paycheck.”

Das Ende der Geschichte: “And eventually, in December 17 1903, the Wright Brothers took flight…and for the proof that Langley was motivated by the wrong thing: The day the Wright Brothers took flight – he quit…he wasn’t first, he didn’t get rich, he didn’t get famous – so he quit.”

Die ganze Story erzählt Sinek in etwas über zwei Minuten nach: Eingängig, alles Wichtige auf den Punkt genau eingebracht und am Ende wieder mit direktem Bezug zum „Golden Circle“ auf dem Flipchart.

Schließlich die dritte Geschichte – und auch hier beschreibt Sinek die Situation in wenigen Worten: “In the summer of 1963 250 000 people showed up on the mall in Washington to hear Dr. King speak. They sent out no invitations, and there was no website to check the date – how do you do that?” Auch hier bezieht er sich auf den „Golden Circle”, dann endet er mit einer überraschenden Einlage, die das Publikum zum Lachen bringt: “And by the way: He gave the “I have a dream” speech, not the “I have a plan” speech.”

 

Rhetorik mit Stil

Was in allen Geschichten auffällt: Sinek nutzt das rhetorische Stilmittel der Anapher, also der Wiederholung gleicher oder ähnlicher Worte. Damit verstärkt er die Wirkung seiner Aussagen. Drei Beispiele:

“Year after year after year after year… (Apple)”,

“I believe…I believe…I believe” (Martin Luther King) und

“He wasn’t first, he didn’t get rich, he didn’t get famous – so he quit.” (Samuel Pierpont Langley).

Was können wir daraus lernen? Zum einen hat Simon Sinek mit dem Thema „Leadership“ offensichtlich den Zeitgeist getroffen, das Thema war gerade en vogue. Zum anderen kommen hier mehrere rhetorische Stärken zusammen: Er bringt drei Geschichten bekannter Persönlichkeiten und Unternehmen ein, die dem eigentlichen Thema „Start with Why“ einen klaren Rahmen geben. Die Geschichten erzählt Sinek bildhaft, ihr Sinn leuchtet sofort ein, und er bezieht sie immer wieder auf den „Golden Circle“ auf dem Flipchart. Nicht zuletzt setzt er immer wieder Verstärker ein, so dass er seinen Aussagen mehr Gewicht verleiht.

So gelingt es Sinek letztlich, eine zunächst mal theoretische Abhandlung auf reale Situationen anzuwenden und somit interessant zu erzählen. Er beschließt seinen Vortrag mit einer starken Aussage, die zum weiteren Nachdenken bis hin zum konkreten Handeln anregt.

Hier zeigt sich, dass ein gut vorbereiteter Vortrag die Expertise des Redners unterstreichen und ihn so von durchschnittlich guten Vorträgen abheben kann. Kein Vortrag ist perfekt, aber etwaige Schwächen fallen bei richtig guten Vorträgen nicht besonders ins Gewicht.

Studien und Forschungsergebnisse mit Pecha Kucha präsentieren

Pecha Kucha ist ein besonderes Format für Präsentationen, welches 2003 in Japan von den Architekten Astrid Klein und Mark Dytham entwickelt wurde. Beim Pecha Kucha (sprich: „petschaktscha“, japanisch für „wirres Geplauder, Stimmengewirr“, welches zustande kommt, wenn viele Menschen gleichzeitig reden) setzt du genau 20 Folien ein, die du in jeweils 20 Sekunden präsentierst. So dauert jeder Vortrag exakt 400 Sekunden bzw. 6:40 Minuten. Weiterlesen