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Untypische Orte für Präsentationen

Was machen 18 Studenten, drei Betreuer und zwei Organisatoren aus elf Ländern und vier Kontinenten, wenn sie innerhalb von neun Tagen die Wassernutzung im Iran vor Ort kennenlernen? Klare Antwort: Sie präsentieren ihr selbst erarbeitetes Wissen untereinander und holen sich die Praxiserfahrung einheimischer Experten hinzu. Mit ihnen diskutieren sie wissenschaftliche Fakten und die Umsetzung in der Praxis und tauschen offene Fragen zu historischer und aktueller Wasserwirtschaft, Wüstenbildung und Energienutzung im Iran aus. Für die praktische Anschauung vor Ort chartern sie einen sympathischen einheimischen Busfahrer, der sie zuverlässig 1 200 Kilometer durch Dörfer und Metropolen, die trockene Steppe und zu Salzseen lenkt. Eine Herausforderung, die alle gern annehmen.

Kurz: Eine spannende, unterhaltsame und lehrreiche Reise von Teheran über Qom und Kashan nach Yazd, die ich im März 2018 selbst mitmache. Die Exkursion weitet unseren Blick auf diese reichhaltige persische Kultur, fegt viele aus den Medien vermittelte Vorurteile über die Menschen im Iran weg und fördert nicht zuletzt den interkulturellen und persönlichen Austausch.

 

PowerPoint in Teheran

Zehn Stunden nach unserer nächtlichen Ankunft in Teheran sitzen wir im Seminarraum der Shahid Beheshti University. Wir lauschen drei Referenten, die uns in die aktuelle Situation zur Wassernutzung im Iran einführen. In zwei klassischen PowerPoint-Präsentationen kleben sie teils an durchaus textlastigen Folien mit klassischen Spiegelstrichen, teils sehen wir beeindruckende Fotos und hören auf den Punkt gebrachte hintergründige Fakten zur aktuellen Entwicklung. In der Diskussion gehen beide Referenten auf unsere Fragen ein. Hier rücken die Folien meist in den Hintergrund, zugunsten der direkten Interaktion mit uns Teilnehmern.

Besonders positiv aus dem Rahmen fällt Kamran Emami, Eigentümer und Consultant der Kurit Kara Engineers: „Hallo, willkommen, and that’s the only word I know“. Er bittet alle Teilnehmer um eine kurze persönliche Vorstellung: hier werden Gemeinsamkeiten und persönliche Interessen aller sichtbar, auf die er im Laufe seines sehr anregenden Vortrags immer wieder eingehen kann. Statt dem gefürchteten Frontalunterricht steht er mittendrin, ist „einer von uns“, und wirkt mit seinem engagierten Vortragsstil und passender Kleidung als authentischer Fachexperte. Er brennt für sein Thema, sein Enthusiasmus lässt mich nicht mehr los: Mit einer Mischung aus Vortrag und Workshop zum „Lateral thinking“ nach Edward de Bono zeigt Emami uns kreative Ansätze, wie wir mit unkonventionellem Denken neue Möglichkeiten zur Lösung der Wasserkrise finden können. Zwei weitere Kernbotschaften: Fachwissen alleine reiche im 21. Jahrhundert nicht mehr aus, stattdessen gewinnen Ethik und Kreativität an Gewicht und sind heutzutage gleichwertig. Nicht zuletzt sei Phantasie wichtiger als Wissen, frei nach Albert Einstein.

Emami fasst jeden Abschnitt seines Seminars nochmals kurz zusammen und hilft uns so, „das große Ganze“ im Blick zu haben. Eine gesunde Mischung aus Vortrag und Diskussion, kurzen Filmabschnitten und Mikro-Workshops mit kurzen Übungen. Eine der qualitativ hochwertigsten Präsentationen, die ich bis dato erleben durfte: Danke, merci, تشکر Kamran Emami!

Aber ich lenke ab: Fanden diese Vorträge noch in der klassischen Hörsaal- bzw. Seminarraum-Umgebung statt, fahren wir nun aus Teheran heraus. Während der meist langen Bustouren mit mehr oder weniger langen Pausen können unsere Studenten jetzt die vorab erarbeiteten Themen präsentieren.

 

Busfahrt mit Smartphone-Präsentationen

In meinen Trainings gebe ich den Teilnehmern meist Feedback zu Aspekten wie Aufbau und Inhalt des Vortrags, Sprachstil und Storytelling, Kontakt zum Publikum und natürlich zur Performance auf der Bühne. Dazu kommen häufig Nachfragen zu Inhalt und Gestaltung von PowerPoint-Folien oder zum Einsatz von Flipchart und Requisiten bzw. „Props“. Während einer Busfahrt stehen dagegen ganz andere Aspekte im Vordergrund, die für eine gelungene Präsentation wichtiger werden.

Die klassische Bühne fällt im Bus aus. Was bleibt, ist der schmale Mittelgang, der Elemente wie aktive Körpersprache und Präsentationen mit Props stark einschränkt. Dazu kommt die Bewegung während der Fahrt. Verständlicherweise bevorzugen es manche Studenten, im Sitzen zu präsentieren. Bei manchen hören wir nur die Stimme, während sich andere wiederum aufrichten und im Sitzen zu den hinteren Busreihen sprechen. Wieder andere stehen einigermaßen stabil im Mittelgang, das Mikrofon in der einen Hand, während sie sich mit der anderen Hand am Sitz festhalten. Kriterien wie Körpersprache und Bühnen-Performance lassen sich hier nur bedingt bewerten.

Stimme und Sprachstil gewinnen dagegen an Gewicht. Die meisten Teilnehmer halten das Mikrofon in der richtigen Entfernung, während einige wenige so nah am Mikrofon sprechen, dass die Stimme verzerrt, laut und meist unverständlich ist. Andere halten es zu weit weg und sind stellenweise kaum hörbar. Ohne Rückmeldung ist es dagegen nicht ganz einfach, den passenden Abstand selbst herauszufinden – umso besser, dass unsere sehr aufmerksame Gruppe sich untereinander hilft.

Nicht einfacher wird die Präsentation, wenn das Mikrofon in der einen und das Smartphone in der anderen Hand gehalten werden, um die eigenen Notizen abzurufen. Einige Studenten teilen ihre Unterlagen über Bluetooth mit der ganzen Gruppe, so dass wir nicht nur dem Vortragenden zuhören, sondern auch die Folien dazu sehen können. Die hier abgebildeten Karten helfen uns zur Orientierung, während großflächige Fotos neue visuelle Eindrücke vermitteln und uns helfen, Inhalte einfacher nachzuvollziehen.

 

Vom ZDF zu lebendigen Geschichten

Jede Rede will gut vorbereitet sein. Je mehr Zeit wir im Vorfeld investieren, umso mehr können wir uns Inhalte erarbeiten, Theorie und Praxis miteinander verbinden und an den passenden Stellen unsere eigenen Erfahrungen einbringen. In der Praxis sterben noch zu viele Zuhörer den berüchtigten „Tod durch PowerPoint“, weil Präsentationen oft lieblos zusammengewürfelt werden oder die Zuhörer-Perspektive erst gar nicht beachtet wird.

Generell bleibt den heutigen Studenten „dank“ immer engerer Studienpläne meist nur wenig Zeit, sich außerhalb von Bachelor- und Master-Arbeiten intensiver mit einzelnen Themen auseinanderzusetzen. Unsere sehr gut vorbereitete Exkursion treten einige der Studenten unmittelbar nach einer wichtigen Prüfung an. Für manche bleibt nur wenig Zeit, ihren Vortrag vorzubereiten. So hören wir in einigen wenigen Vorträgen nur eine Auflistung mehrerer eigentlich interessanter Zahlen. Leider gehen solche Informationen schnell verloren: Die klassische ZDF-Methode mit „Zahlen, Daten, Fakten“ verfehlt ihr Ziel und bleibt wirkungslos.

Die meisten Studenten erklären Zusammenhänge, finden Querverbindungen zwischen Teildisziplinen der Wassernutzung und anderen Themen. Das macht es uns einfach, Inhalte nachzuvollziehen. Ihre Zahlen, Daten und Fakten erzählen Geschichten: In welchem Verhältnis stehen Bewässerungs- und Versickerungsmenge zum aktuellen oder saisonalen Niederschlag? Gibt es Vergleichswerte in anderen Trockenregionen, und wie bewerten wir diese Größen? Welche langfristige Entwicklung, welche Trends sehen wir, wenn es um die Dimensionen künftiger Staudämme geht? Und welche Erfahrungswerte kennen wir aus anderen Studien, wie wurden diese von den jeweiligen Autoren bewertet?

Das schlägt sich in den folgenden Diskussionen nieder: Auf ZDF-Präsentationen folgen meist Verständnisfragen, während andere Präsentationen auch tiefergehende Diskussionen nach sich ziehen. Für die Diskussion sind die typischen Sitzreihen im Bus nicht optimal. Rückfragen des Publikums kann nicht jeder hören, so dass ich als Vortragender auf den Fragenden zugehe, mir seine Frage anhöre und danach über Mikrofon wiederhole. So binde ich alle in die Diskussion mit ein.

 

Reden in der Landschaft

Daneben gibt es einige Studenten und manche eingeladenen Fachleute aus dem Iran, die ihr Thema während einer der vielen Zwischenstationen direkt am Anschauungsobjekt mitten in der Landschaft präsentieren. So erfahren wir mehr über großflächige Pistazienfarmen, Salzkrusten und Salzgewinnung und – kombiniert in Natur und Museum – über Qanats, unterirdische Kanäle zur Bewässerung sowie über Kühlungssysteme im Hausbau.

Gerade hier beziehen sich die Vortragenden auf eigene Praxiserfahrungen und diskutieren angeregt in der Gruppe darüber. Anders als im geschützten Hörsaal sind Präsentationen im Freien nicht immer gut hörbar, abhängig von Wind bzw. Windrichtung und Nebengeräuschen wie Verkehr und Industrie.

Ein schöner Abschluss ist unser Lagerfeuer. Vor unserer Rückfahrt nach Teheran sitzen wir noch einmal zusammen und lassen die Exkursion mit so zahlreichen Erlebnissen Revue passieren. Dieser ganz eigenen Stimmung kann sich kaum ein Teilnehmer entziehen. Hier treten die ZDF-Inhalte in den Schatten, werden die Nacht kürzer und die persönlichen Geschichten länger. Storytelling at its best!

Wenn ein Vortrag richtig gut ist

Eine Quelle guter und häufig auch inspirierender Vorträge sind sicher die TED Talks und deren Ableger, die weltweit stattfindenden TEDx Talks. Eine der Reden, die mich in den letzten Jahren begeistert hat, ist der Vortrag „How great leaders inspire action“ von Simon Sinek. Wir können gern diskutieren, ob ein solch technisch orientierter Vortrag, der auch einige offensichtliche Schwächen zeigt, nicht noch besser gehalten werden kann. So gibt es nur wenige Lacher im Publikum, der Augenkontakt zwischen Redner und Publikum ist nicht optimal und der Redner fasst sich häufig an die Brille (genau 22-mal) – um nur drei Beispiele zu nennen.

Dennoch: Warum ist sein TEDx-Talk von 2009 der am dritthäufigsten gesehene von mehr als 2 600 TED Talks weltweit? Warum wurde sein Vortrag, den er live vor gerade einmal 50 Zuhörern gehalten hat, bis heute mehr als 37 Millionen Mal auf ted.com und gut 12 Millionen Mal auf YouTube angeklickt? Was hat Simon Sinek also richtig gemacht?

Konkret fallen drei Stärken auf, die er durchweg in seinem Vortrag einbringt:

  1. Seine Präsentation hat eine klare Struktur – die Themen spricht er direkt an, und er bezieht sich im Vortrag immer wieder unmittelbar auf sein Hauptthema.
  2. Sinek bringt sehr starke, bedeutende Aussagen in den Vortrag – und wiederholt diese mehrfach. Entsprechend klar ist sein Sprachstil.
  3. Er beherrscht die Kunst des Storytelling, indem er drei Hauptgeschichten sehr bildhaft nacherzählt.

Wie sehen die Stärken im Detail aus? Welche Inhalte stecken hinter der Struktur, den Aussagen und den Geschichten, die Sinek im Vortrag nutzt?

 

Aufbau und Struktur des Vortrags

Sinek nimmt von Beginn an direkten Kontakt mit seinem Publikum auf. Das geschieht weniger durch seinen Blickkontakt als vielmehr mit einer direkten Frage, die er zudem in einer zweiten Frage formuliert und somit vertieft. Dann folgt schon die konkret darauf bezogene Frage “Why is Apple so innovative?” Und so geht es weiter mit entsprechenden Fragen, was Martin Luther King und die Wright Brothers anders als andere gemacht haben – warum sie letztlich erfolgreich waren.

Mit diesen drei Beispielen steckt Sinek bereits von Beginn an die Themen ab, auf die er sich im Verlauf seines Vortrags immer wieder bezieht. Damit bringt er von Anfang an eine klare Struktur ein.

Erst danach bringt er sich selbst ins Spiel: “About three years ago I made a discovery.” Er baut Spannung auf, weckt die Neugierde der Zuhörer, was jetzt wohl gleich kommt. Das verstärkt er noch mit der kurz darauf folgenden Aussage “Here is the best part!”

Damit führt Sinek sein Publikum direkt zum Hauptteil seiner Präsentation: “The Golden Circle”, welches er auf dem Flipchart visualisiert. Schlicht und einfach, ohne überflüssige Schnörkel verständlich erklärt: “Why – How – What”. An der Stelle greift er wieder die eingangs gebrachten Beispiele Apple, die Wright Brothers und Martin Luther King auf.

Mit Fragen und weiteren Beispielen bildet er Übergänge: “Now let me give you an example of the law of diffusion of innovation.”

Die klare Struktur hält Sinek bis zum Schluss seiner Rede durch. Er endet mit zwei aussagekräftigen Äußerungen und einem sehr kurzen Schluss: “Thank you very much!”

 

Klare Hauptaussagen und ein Sprachstil, der sich einprägt

Sowohl in der Wissenschaft als auch in der Business-Welt gibt es bis heute unzählige Vorträge, denen der rote Faden fehlt. Dazu kommt, dass die Botschaft des Redners verschwommen bleibt, ja sogar dem Redner selbst nicht immer klar zu sein scheint. Gute Reden leben dagegen von klaren, eingängigen Botschaften. Sinek steigt damit schon frühzeitig ein, als er inspirierende Führungspersönlichkeiten von anderen unterscheidet: “They all think, act and communicate in the exact same way, and it’s the complete opposite to everyone else.” Er zeigt, dass das dahinter stehende Muster “probably the world’s simplest idea” ist, und zeichnet dann den von ihm so genannten „Golden Circle” auf Flipchart: Ein einfaches Muster, eingängig und leicht verständlich.

Schon kurz darauf folgt eine weitere Hauptaussage: “People don’t buy what you do they buy why you do it. ” Dies wiederholt er im Lauf des Vortrags noch fünfmal. Man kann darüber streiten, ob das nicht zu viel des Guten ist. Mir hat sich dieser Satz jedenfalls so gut eingeprägt, dass ich ihn im Schlaf aufsagen könnte. Damit hat Sinek ein wichtiges Ziel guter Reden erreicht: Dass seine Botschaften hängen bleiben – auch noch lange nach dem Vortrag.

Es kommen weitere einprägsame Aussagen dazu: “The goal is not to do business with everybody who needs what you have. The goal is to do business with people who believe what you believe.” Sinek variiert diesen Satz mit “…if you hire people who believe what you believe, they work for you with blood and sweat and tears.” und so: “And if you talk about what you believe, you will attract those who believe what you believe.”

Zum Ende seines Vortrags bringt Sinek zwei wiederum besonders wirksame Aussagen ein, die all das vorangegangene auf den Punkt zusammenfassen: “Leaders hold a position of power, or authority. But those who lead inspire us…and it’s those who start with WHY that have the ability to inspire those around them or find others who inspire them.”

Natürlich sind es nicht die Worte allein, die eine starke Wirkung entfalten, sondern auch die richtige Betonung und das passende Tempo. Tatsächlich redet Sinek stellenweise recht schnell. Er setzt zwar Pausen zwischen den einzelnen Abschnitten des Vortrags, diese sind aber recht kurz. Es wirkt beinahe so, als wolle er in der begrenzten Zeit möglichst viele Inhalte unterbringen. Abgesehen davon: Seine Worte sind mit Bedacht gewählt, was auf eine sehr gute Vorbereitung seines Vortrags schließen lässt.

 

Storytelling: Geschichten mitten aus dem Leben

Ganz gleich ob in der Wissenschaft oder im Business: Vorträge leben von kurzweiligen Geschichten. Trockene Vorträge, die ausschließlich auf Zahlen – Daten – Fakten basieren, werden schneller abgehakt und vergessen als Präsentationen, die auch persönliche Erlebnisse oder lebendig nacherzählte Geschichten einbinden. Den Erfolg von Apple erzählt Sinek hier anhand seines „Golden Circle“ nach: Schlechte Marketing-Botschaften durchschnittlicher Unternehmen stellen das „Was“ und das „Wie“ in den Vordergrund. In der realen Apple-Botschaft steht dagegen das „Warum“ im Vordergrund. Vom “Here is how Apple actually communicates…” erzählt Sinek ganz plastisch weiter: “These are the people who stood in the line for six hours to buy an iPhone…” und “The reason that person bought the iPhone in the first six hours was because they believed…they were first.”

Nicht weniger bildhaft nacherzählt ist die Geschichte der Wright Brothers, weshalb ich hier mehr Details bringe. Zunächst bindet Sinek mit Samuel Pierpont Langley einen Gegenspieler ein, dann bildet er die Kulisse, vor der die Szene Anfang des 20. Jahrhunderts spielt: “The pursuit of powered man flight was like the dotcom of the day – everybody was trying it.” Ein schöner, gut nachvollziehbarer Vergleich des technischen Fortschritts damals und heute.

Sinek verdeutlicht auch Gegensätze. So charakterisiert er Langley mit den Worten “…money was no problem…”, “…he was extremely well connected, he knew all the big minds of the day…”, und die Wright Brothers: “…they had none of what we consider the recipe of success: They had no money, they paid for their dream with the proceeds of their bicycle shop…”.

Dann löst er die Situation auf: “The difference was: Orville and Wilbur were driven by a cause, by a purpose, by a belief. They believed that if they could figure out this flying machine, it’ll change the course of the world. Samuel Pierpont Langley was different: He wanted to be rich, and he wanted to be famous. He wasn’t pursued of the result, he wasn’t pursued of the riches…[he] just worked for the paycheck.”

Das Ende der Geschichte: “And eventually, in December 17 1903, the Wright Brothers took flight…and for the proof that Langley was motivated by the wrong thing: The day the Wright Brothers took flight – he quit…he wasn’t first, he didn’t get rich, he didn’t get famous – so he quit.”

Die ganze Story erzählt Sinek in etwas über zwei Minuten nach: Eingängig, alles Wichtige auf den Punkt genau eingebracht und am Ende wieder mit direktem Bezug zum „Golden Circle“ auf dem Flipchart.

Schließlich die dritte Geschichte – und auch hier beschreibt Sinek die Situation in wenigen Worten: “In the summer of 1963 250 000 people showed up on the mall in Washington to hear Dr. King speak. They sent out no invitations, and there was no website to check the date – how do you do that?” Auch hier bezieht er sich auf den „Golden Circle”, dann endet er mit einer überraschenden Einlage, die das Publikum zum Lachen bringt: “And by the way: He gave the “I have a dream” speech, not the “I have a plan” speech.”

 

Rhetorik mit Stil

Was in allen Geschichten auffällt: Sinek nutzt das rhetorische Stilmittel der Anapher, also der Wiederholung gleicher oder ähnlicher Worte. Damit verstärkt er die Wirkung seiner Aussagen. Drei Beispiele:

“Year after year after year after year… (Apple)”,

“I believe…I believe…I believe” (Martin Luther King) und

“He wasn’t first, he didn’t get rich, he didn’t get famous – so he quit.” (Samuel Pierpont Langley).

Was können wir daraus lernen? Zum einen hat Simon Sinek mit dem Thema „Leadership“ offensichtlich den Zeitgeist getroffen, das Thema war gerade en vogue. Zum anderen kommen hier mehrere rhetorische Stärken zusammen: Er bringt drei Geschichten bekannter Persönlichkeiten und Unternehmen ein, die dem eigentlichen Thema „Start with Why“ einen klaren Rahmen geben. Die Geschichten erzählt Sinek bildhaft, ihr Sinn leuchtet sofort ein, und er bezieht sie immer wieder auf den „Golden Circle“ auf dem Flipchart. Nicht zuletzt setzt er immer wieder Verstärker ein, so dass er seinen Aussagen mehr Gewicht verleiht.

So gelingt es Sinek letztlich, eine zunächst mal theoretische Abhandlung auf reale Situationen anzuwenden und somit interessant zu erzählen. Er beschließt seinen Vortrag mit einer starken Aussage, die zum weiteren Nachdenken bis hin zum konkreten Handeln anregt.

Hier zeigt sich, dass ein gut vorbereiteter Vortrag die Expertise des Redners unterstreichen und ihn so von durchschnittlich guten Vorträgen abheben kann. Kein Vortrag ist perfekt, aber etwaige Schwächen fallen bei richtig guten Vorträgen nicht besonders ins Gewicht.

Stories machen Wissenschaft wieder spannend

Stell dir vor, es ist Wissenschaft und keiner geht hin. Das hab‘ ich während meiner Zeit als Student und Forscher immer wieder erlebt. Es gibt Tagungs-Sessions, in denen ganze drei Leute im Publikum sitzen, um einem höchstens mittelprächtigen Vortrag zu lauschen. Nur drei, weil das Thema extrem speziell ist und weil in vielen Vorträgen ganz brav viele Zahlen, Daten und Fakten herunter gebetet werden.

Als Studenten lernen wir viel zweifellos interessanten Stoff – sonst hätten wir uns nicht für ein bestimmtes Fach entschieden. Die meisten Professoren machen sich zu wenig Gedanken darüber, wie sie uns diesen Stoff vermitteln. Kein Wunder beim alltäglichen Arbeitsdruck mit Publikationen, Projektanträgen und dem alltäglichen Verwaltungskram. Da ist die ungeliebte Lehre nur das fünfte Rad am Wagen. Wer aber nie gelernt hat, anständig zu präsentieren, bekommt es höchstens noch als Naturtalent hin, den Stoff spannend, lehrreich und gleichzeitig unterhaltsam zu vermitteln. Das kommt leider viel zu selten vor. Weiterlesen