Hast du den Eindruck, dass dein Publikum deiner Moderation folgt? Kannst du mit kurzen Geschichten und Anekdoten Spannung aufbauen, damit dir die Gruppe begeistert zuhört? Wie gelingt es dir als Moderator, besonderen Mehrwert mitzugeben? Und was kannst du tun, wenn du Workshops oder Debatten moderierst, eine Projektgruppensitzung oder eine Podiumsdiskussion steuerst? Wenn du Veranstaltungen im Bereich Wissenschaft/Forschung, Business und Öffentlichkeit oder an ihren Schnittstellen moderierst, kannst du manches falsch, aber vieles richtig machen.

Was du als Moderator vorbereitest

Du hast den Auftrag, eine Sitzung zu organisieren, ein ganz konkretes Ziel zu erreichen und die entsprechenden Ergebnisse auch noch festzuhalten. Wenn es sich nicht gerade um eine Fernseh- oder Talkshow-Moderation handelt, kommen außer diesen noch weitere anspruchsvolle Aufgaben auf dich zu.

So bist du gefordert, der von dir geleiteten Gruppe thematische Orientierung zu geben und Aufgaben passend zu den einzelnen Persönlichkeiten zu vergeben. Du achtest darauf, dass Intros gleichermaßen ihre Expertise einbringen können wie die Lautsprecher unter den Akteuren. Obendrein förderst du die Gruppendiskussion mit konstruktiven Einwürfen und stellst gezielt passende Fragen, die den Arbeitsfortschritt fördern. Damit förderst du die fokussierte Arbeit der Gruppe hin auf ein spezifisches Ziel.

Klingt das für dich so, als seist du Moderator und Jongleur in einem? Hältst du viele Bälle gleichzeitig in der Luft? Du hast recht: Als Moderator ist neben deinen rhetorischen Fähigkeiten auch Führungskompetenz gefragt. Die Königsdisziplin, mit der du Verbindung zu den Menschen in deiner Umgebung aufnimmst, ist das Storytelling: Wenn du interessante Geschichten und Anekdoten in deine Moderation einstreuen kannst, stehen deine Chancen gut, dass du gehört wirst.

So schaffst du den größten Mehrwert für alle Teilnehmer

Ob du moderierst oder präsentierst: Persönliche Geschichten decken Emotionen auf und steigern die Aufmerksamkeit deiner Teilnehmer. So kannst du mit einer zum Thema passenden Story lebensnahe Bilder erzeugen.

In ihrem Buch „Die Gastgeber-Methode“ beschreibt die TV-Moderatorin und Journalistin Nicole Krieger die positive Wirkung von Storys: Sie fördern die Aufmerksamkeit und wecken Emotionen im Publikum, hauchen Zahlen, Daten und Fakten Leben ein und helfen, komplexe Information verständlich zu kommunizieren. Krieger betont, dass neue, bis dahin unbekannte Geschichten für die Teilnehmer besonders interessant sind. Umso besser, wenn du persönlich und anschaulich schildern kannst, was Menschen erlebt haben. Frage dich immer, wie nah du an der Lebensrealität der Menschen bist, mit denen du kommunizierst.

Bereitest du deine Moderation gerade vor, dann hilft es dir, die folgenden Fragen zu beantworten:

  • Was ist das Ziel der Veranstaltung?
  • Welche Menschen kommen zur Veranstaltung, und welchen persönlich-beruflichen Hintergrund haben sie?
  • Mit welchen Erwartungen der Teilnehmer kannst du rechnen?
  • Um welches Thema geht es, und welche Inhalte daraus greifst du auf?
  • Welches Ziel hast du an dich selbst, wenn du moderierst?

Falls die Veranstaltung mit einer Vorstellungsrunde beginnt, kannst du die Teilnehmer besonders aktiv einbinden, wenn du anstelle der Routine-Vorstellung mit Name, Beruf und Erwartungen einige Satzanfänge zur Auswahl stellst:

  • Ich bin…bei…und verantworte derzeit…
  • Was mir für heute wichtig ist…
  • Ein Thema, das mich heute besonders interessiert…
  • Entscheidend dafür, dass die Veranstaltung erfolgreich wird…

So kann jeder einzelne noch einmal reflektieren, welche persönliche Motivation und welche Ziele er mit einbringt.

Wenn es dir anschließend gelingt, mit einem kurzen Aufmacher auf das Thema einzustimmen, ist dir die Aufmerksamkeit der Teilnehmer gewiss. Statt jeden einzelnen Agenda-Punkt abzulesen, bietet es sich an, dass du einen Grobüberblick gibst. Ein guter Ansatz ist, wenn du nicht mehr als drei Aspekte im Aufmacher ansprichst.

Aus der Praxis: Soll zum Beispiel das Thema „Smarte Maschinen und die Intelligenz des Menschen“ diskutiert werden, könntest du in etwa so anmoderieren:

„Es erwartet uns ein spannendes Programm. Gleich zu Beginn erörtern wir, ob es einen bleibenden Unterschied zwischen künstlicher und menschlicher Intelligenz geben wird. Wir wollen außerdem diskutieren, ob uns smarte Maschinen unterstützen, überflügeln oder überflüssig machen. Und wir gehen der Frage nach, ob künstliche und menschliche Intelligenz eines Tages miteinander verschmelzen werden.“

Wenn du einen Workshop moderierst

Als Moderator bist du Diskussionsleiter und führst die Gruppe zugleich auf ein gemeinsames Ziel oder gewünschtes Ergebnis hin. Wie in allen Moderationen ist die effektive Nutzung der Zeit wichtig. Du legst gemeinsam mit den Teilnehmern die Haupt- und Unterthemen des Workshops fest. Häufig wirst du die Teilnehmer in einzelne Arbeitsgruppen aufteilen, die du später wieder zusammenführst. Zugleich lenkst du die Unterhaltung und achtest darauf, ob sich alle Teilnehmer einbringen. Ansonsten motivierst du sie dazu, sich aktiv zu beteiligen und ihre jeweiligen Interessen zu vertreten.

Damit du die Dynamik innerhalb der Gruppe besser einschätzen kannst, kannst du dich schon im Vorfeld mit einigen Persönlichkeits- und Beziehungs-Aspekten auseinandersetzen:

  • Kennen sich die Teilnehmer? Welche Beziehungen haben sie untereinander?
  • Welche Expertise, welche Erfahrung und welche Entscheidungsbefugnis haben sie innerhalb der Gruppe?
  • Was sind ihre Interessen und Erwartungen?

Für die inhaltliche Entwicklung des Workshops sind die Teilnehmer selbst zuständig. Neue Gedanken und Ideen kannst du natürlich honorieren, etwa durch ein kurzes Kopfnicken. Mit zielgerichteten Fragen oder punktuell eingestreuten provokanten Thesen regst du den Meinungsaustausch an, falls die Gruppe weniger aktiv wird oder im Thema nicht entscheidend weiterkommt. Von dir eingebrachte Gruppenübungen fördern den interaktiven Austausch. So kann etwa ein World Café bei einer Größe von 12 oder mehr Teilnehmern helfen, verschiedene Perspektiven zu ähnlich liegenden Fragen zu beleuchten. Aber ganz gleich ob World Café, BarCamp, Fishbowl oder ein anderes Vorgehen: Der Workshop alleine ist nicht die Methode! Letztlich geht es immer darum, ein gemeinsam vereinbartes Ziel zu erreichen.

Dein Workshop gewinnt noch an Struktur, wenn du wichtige Inhalte und Ergebnisse auf Flipchart oder Whiteboard dokumentierst und so für alle sichtbar festhältst. Ein „Blitzlicht“ oder Fazit hilft den Teilnehmern zu erkennen, was sie im Workshop bereits erreicht haben. So bringst du die Gruppe auf den aktuellen Stand und förderst zugleich ihre Motivation, am Thema dranzubleiben. Am Ende des Workshops hilft eine Feedback-Runde festzuhalten, welchen Mehrwert die Teilnehmer vom Workshop mitnehmen.

Debatte und Podiumsdiskussion

Die Debatte entspricht einer kontroversen Diskussion, in der sich eingeladene Experten mit gezielten Sachfragen auseinandersetzen. Sie sitzen in der Podiumsdiskussion gut sichtbar auf einem erhöhten Podium. Hier kann sich dein Publikum später mit eigenen Fragen beteiligen. Entsprechend flexibel agierst du der Veranstaltung.

Mit einer herzlichen Begrüßung der Experten sorgst du für eine angenehme Atmosphäre –idealerweise machst du die Experten schon vor Beginn der Veranstaltung untereinander bekannt. Etwaige Fragen klärst du im Voraus genauso ab, wie du die Relevanz des Debattenthemas betonst und Hinweise auf den Ablauf der Diskussion gibst.

Nach Nicole Krieger kannst du die Podiumsdiskussion erfolgreich gestalten, indem du vorab die folgenden Aspekte berücksichtigst:

  • Gibt es Kontrahenten? Falls ja: Setze sie nicht nebeneinander, sondern gegenüber.
  • Streitbare und redegewandte Gäste sitzen neben dir.
  • Du sitzt immer in der Mitte der Gesprächsrunde.
  • Die Dauer der Diskussion legst du im Voraus fest.
  • Gibt es jemanden, der dich über die verbleibende Zeit informiert?
  • Gibst du organisatorische Hinweise zum Ende der Veranstaltung?
  • Deine Fragen sollten immer belastbar sein – so, dass du auf alle Rückfragen eine Antwort parat hat.

Mit einer offenen Einstiegsfrage ermöglichst du den Experten, ihre persönlichen Erfahrungen einzubringen. Als aufmerksamer Moderator bist du in der Lage, zwischen den Zeilen zu lesen, indem du auf ihre Stimmfärbung und Körpersprache achtest und an passender Stelle darauf eingehst. Du greifst interessante Inhalte auf, arbeitest Kontroversen heraus und sorgst so für eine flexible Diskussion, ohne den roten Faden zu verlieren.

Die Besprechung gewinnt an Struktur, wenn du vorab einen Interviewleitfaden herausarbeitest. Schweifen die Experten während der Diskussion vom Thema ab, steuerst du dem mit passenden Fragen entgegen. Klug gestellte Fragen sorgen für neue Einsichten und Erkenntnisse seitens der Experten. Du kannst auch gezielt einzelne Themenbereiche in wenigen Worten zusammenfassen und nach einer betonten Pause ein neues Debattenthema anreißen.

Deine essenzielle Aufgabe besteht darin, die Experten gleichwertig und stets auf Augenhöhe zu behandeln. In einer Pro-und-Contra-Debatte schlägst du dich nicht auf eine Seite. Gleichwohl kannst du sie mit stellenweise provozierenden Anmerkungen befeuern, ohne die Aussagen im Podium zu interpretieren und zu bewerten.

Folgt noch eine Podiumsdiskussion, kannst du gezielt auf dein Publikum zugehen und deren Fragen aufgreifen. Idealerweise unterstützen dich mit Mikrofonen ausgestattete Assistenten, die diese an einzelne Menschen im Publikum weitergeben. Allgemein gestellte Fragen ordnest du passend den entsprechenden Experten im Podium zu.

Projektgruppensitzung

Die Projektgruppensitzung erfordert von dir einen ganz anderen Ansatz als in den vorangestellten Formaten. Zwar geht es auch hier darum, dass du im Vorfeld alle relevanten Informationen sammelst und strukturierst. Hier stehen neben der Bearbeitung eines im Voraus festgelegten Themas aber insbesondere der gezielte Abschluss und die Vereinbarung von Folgeaktivitäten im Fokus.

Als Moderator arbeitest du einen Leitfaden aus, an dem du dich im Lauf der Sitzung orientieren kannst. Wie schon im Workshop bietet es sich an, keine abgedroschenen Standardfloskeln wie „Bitte stellen Sie sich kurz vor…“ oder „Was erwarten Sie von der heutigen Sitzung?“ zu nutzen. Gezielte Einstiegsfragen fördern einen dynamischen Einstieg und regen die Teilnehmer zu persönlichen Äußerungen an:

  • „Was sich seit unserem letzten Treffen getan hat…“
  • „Was ich der Gruppe/der Moderatorin sagen möchte…“
  • „Stellen Sie sich vor, es ist 17 Uhr, wir haben unsere Sitzung abgeschlossen. Was ist geschehen, damit Sie sagen können: „Das war eine richtig gute Veranstaltung!“?“
  • „Was können und wollen Sie selbst zum Gelingen der Veranstaltung beitragen? Was wünschen Sie sich von den anderen Teilnehmern, den Referenten, der Moderatorin?“

Im Verlauf der Sitzung holst du gezielt die Expertise der einzelnen Teilnehmer ein, achtest auf eine ausgewogene Beteiligung und führst zu einem Konsens hin.

Woran Moderationen scheitern können

Moderationen können auch scheitern. Häufigster Grund dafür ist eine unzureichende Vorbereitung. Das geht los in fehlenden Angaben zu Ort, Zeit oder Thema der Veranstaltung und endet noch lange nicht darin, dass wichtige Personen gar nicht erst eingeladen werden. Fehlen dann noch eine Agenda oder gar ein inhaltliches Konzept, wird gern ohne Struktur losdiskutiert – ohne erkennbares Ziel. Der rote Faden fehlt.

Fehlt das Ziel, kann es auch keine produktiv erarbeiteten Ergebnisse geben. Aber selbst wenn das Ziel klar kommuniziert wurde, kann es schwierig werden, die Teilnehmer zu vereinbarten Folgeaktivitäten zu motivieren. Damit dir das nicht passiert, hältst du die erarbeiteten Ergebnisse fest, dokumentierst und verteilst sie an alle Beteiligten. Bleibt in Workshops und Projektgruppensitzungen das Feedback der Teilnehmer aus, dann wird auch nicht offen Kritik geübt. So vergibt der Moderator das Potenzial, mögliche Verbesserungsvorschläge aufzugreifen und in Folgeveranstaltungen gewinnbringend einzubauen.

Noch ein Tipp zum Abschluss: Bitte vermeide folgende Floskeln, wenn du eine Veranstaltung moderierst:

  • „Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie im Internet unter der Adresse…“
  • „Last but not least…“
  • „Es bleibt zu hoffen…”
  • “Am Ende des Tages zählt nur…”
  • „Jetzt mal Hand aufs Herz…“
  • „Seien Sie mal ehrlich…“
  • „Bleibt abzuwarten, wie sich dieses Thema weiterentwickelt.“

Viel besser sind positiv-herausfordernde Formulierungen, mit denen die Teilnehmer wie schon in der Eröffnung angeregt werden, spontan Stellung zu nehmen:

  • Was ich für mich mitnehme…
  • Was mich überrascht / inspiriert / weitergebracht hat…
  • Was mich irritiert / gestört / gelangweilt hat…
  • Was ich künftig anders / besser machen werde…
  • Was ich noch sagen möchte…

Ich wünsche Dir viel Erfolg mit deiner nächsten Moderation!