Klartext präsentieren – nicht nur für Wissenschaftler

Ein erfolgversprechendes Rezept für hochwertige Präsentationen ist der passende Sprachstil: Sprechen Sie Klartext! Reden Sie so, dass Sie sofort und leicht verstanden werden. Für durchschnittliche Vorträge ist hier kein Platz.

Am Anfang können Sie Selbstverständlichkeiten wie im folgenden Redeausschnitt getrost übergehen: „Guten Tag, verehrtes Publikum. Schön, dass Sie so zahlreich erschienen sind. Mein Name ist Wolfgang Schneider. Ich gebe Ihnen zunächst einen Überblick zum Untersuchungsgebiet, danach stelle ich Ihnen den Methodenteil vor, ehe ich zu den eigentlichen Ergebnissen unseres Projekts komme. Die Literaturquellen nenne ich Ihnen der Vollständigkeit halber auf meiner letzten Folie…“

Wer so startet, hat sein Publikum schon in der ersten Minute verloren. Und doch höre ich solche Einführungen von vielen Rednern gerade im wissenschaftlichen Umfeld. Um wieviel zielführender wäre ein Einstiegssatz, in dem Sie Ihre wichtigste Aussage zu Beginn Ihrer Präsentation kommunizieren? Nur eindeutige, prägnante Aussagen garantieren Ihnen die volle Aufmerksamkeit Ihrer Zuhörer. Sie holen Ihr Publikum in kürzester Zeit da ab, wo deren Interesse am größten ist. Nebensächliche und irrelevante Aussagen haben keinen Platz mehr. Erklären Sie komplexe Dinge einfach verständlich.

Vom Elevator Pitch zum Science Pitch

Der Einstieg in Ihren Vortrag ist Ihnen vielleicht als Elevator Pitch bekannt. Der Elevator Pitch ist eine kurze und prägnante Business-Präsentation, die je nach Situation nur 10 Sekunden bis drei Minuten dauert. Ziel des Elevator Pitch ist, Ihren Gesprächspartner für Ihr Thema, Ihre Idee zu begeistern.

Im wissenschaftlichen Kontext sprechen wir besser vom„Science Pitch“. Für die wissenschaftliche Präsentation bedeutet das: Bringen Sie Ihre wichtigste Aussage im Einstiegssatz ein. Sie muss im streng wissenschaftlichen Sinn an dieser Stelle noch nicht ausformuliert sein. Im Gegensatz zu Publikationen für wissenschaftliche Fachjournals können Sie im Vortrag, und gerade zu Beginn Ihres Science Pitch, unscharf formulieren. Spitzen Sie Ihre Aussage in wenigen Worten zu, ist Ihnen die Aufmerksamkeit Ihres Publikums sicher, so wie in den folgenden Beispielen:

  • „Unsere Ergebnisse beweisen eindeutig, dass X-Bäume schneller wachsen, je größer sie sind.“
  • „Dank unserer Erkenntnisse werden wir schon in zwei Jahren in der Lage sein, unendlich viele rote Blutkörperchen bis zur Marktreife zu entwickeln.“
  • „Die Ergebnisse unserer Studie betreffen jeden Menschen, der digital vernetzt ist.“
  • „Wir zeigen einen Weg auf, der zur schnellen Heilung von krebskranken Patienten führt.“

Für solche Aussagen möchte Ihr Publikum Beweise sehen. Bringen Sie diese frühzeitig ein, indem Sie die zentralen Ergebnisse Ihrer Studie präsentieren und zur Diskussion stellen.

Ziel des Science Pitch ist es, Ihr Publikum während des Vortrags aktiv einzubinden. Das können Sie mit gezielten, geschlossenen Fragen erreichen, die Sie sich durch Handmeldungen beantworten lassen: „Wer ist der Meinung, dass…?“ oder „Welche sichtbaren Folgen des aktuellen Klimawandels haben Sie bereits erlebt?“ Noch mehr Abwechslung versprechen offene Fragen, die Ihr Publikum unmittelbar beantworten kann. Sicher ein gewagter Weg, weil Sie die Kontrolle über Zeit und Ablauf Ihres Vortrags ein Stück weit abgeben. Ich habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht: Die unmittelbare Interaktion bewirkt einen offeneren Dialog und zieht oft eine anregende Diskussion mit neuen Ideen und Denkanstößen nach sich.

Klartext ohne Schachtelsätze

Damit Sie als Redner leicht verstanden werden, empfehle ich Zuhörer-freundliche Worte. Fachbegriffe sind in Ordnung, solange Sie vor Fachpublikum sprechen und diese auf Nachfragen schnell erklären können. In der Realität werden oft unverständliche, komplizierte Worte gewählt (oben), anstatt verständlichen Klartext zu sprechen (unten):

Fragestellung, Aufgabenstellung
Frage, Aufgabe

Beantragung eines Forschungsvorhabens
Forschungsantrag

eine Untersuchung durchführen
untersuchen

Distinktionsmedium
Unterscheidungsmerkmal

Forschungsbereich
Forschung

Problematik
Problem

Thematik
Thema

Gerade Wissenschaftler stopfen gern allzu viele Gedanken in lange Schachtelsätze: Aussagen werden mit extrem vielen Details überfrachtet, um wissenschaftliche Exaktheit vorzugeben – die auf Kosten von Kürze und Verständnis geht. Die wichtigsten Erkenntnisse folgen verklausuliert– so wie im nachfolgenden, konstruierten Beispiel:

„Für die Präsentation wissenschaftlicher Ergebnisse, gleich ob es in einem Seminar, einem Kolloquium, während der Verteidigung einer Dissertation oder im Rahmen einer Tagungspräsentation ist, achtet die Wissenschaftlerin oder der Wissenschaftler – wie dies auch für jede andere wissenschaftliche Präsentation ebenfalls gültig ist – darauf, ausformulierte Sätze mit zahlreichen fremdsprachigen Fachbegriffen zu unterstützen, damit man sich in jedem Fall korrekt und präzise ausdrückt und keine überlangen Sätze nutzt, wobei selbstverständlich auch auf eine saubere Sprachstilistik, exakte Rechtschreibung und präzise Zeichensetzung geachtet wird.“

Redner werden mit kurzen und bildhaften, leicht nachvollziehbaren Sätzen wesentlich besser verstanden als mit Schachtelsätzen.

Am Ende Ihres Vortrags nehmen Sie Bezug auf die eingangs gestellte Frage oder These: Sie fassen Ihre wichtigsten Argumente und Erkenntnisse kurz zusammen. Ihr Publikum merkt sich Inhalte, die Sie wiederholen, besonders gut. Ihren Schluss-Satz sollten Sie schon in der Vorbereitung ausformulieren, damit dieser sicher sitzt: Bringen Sie ein passendes Zitat oder einen letzten Gedanken ein, der eine Botschaft mit klarer Aussage beinhaltet. So werden Sie bei Ihrem Publikum positiv in Erinnerung bleiben.

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