Wie deine Poster-Präsentation gelingt

Poster-Präsentationen sind seit den 1960er-Jahren fester Bestandteil von Wissenschafts-Tagungen (Rowe, 2017). Google spuckt Millionen Tipps aus, wie du Poster visuell und inhaltlich gestalten kannst. Aber wie präsentierst du dich selbst während der Poster-Session? Womit findest du maximale Aufmerksamkeit? Wie positionierst du dich als Experte deines Fachs? Die Online-Tipps dazu sind bisher – nun ja, sehr bescheiden. Dieser Blogbeitrag soll das ändern.

 

Kennst du deine Ziele?

Jeder gelungenen Präsentation geht voraus, dass du deine persönlichen Ziele kennst und dich entsprechend gezielt vorbereitet. Bist du Doktorand? Dann möchtest du sicher mehr erreichen, als nur an der Tagung teilzunehmen. Die Poster-Präsentation ist keine lästige Pflicht, damit du finanziell gefördert wirst und dein Projekt vorstellst.

Ich schätze mal, du hast eines oder mehrere der folgenden Ziele auf deiner Agenda:

  • mit anregenden Diskussionen neue Erkenntnisse zum Projekt gewinnen
  • durch aktives Netzwerken neue Kontakte knüpfen
  • den Poster-Preis gewinnen und so für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgen
  • neue Kooperationspartner für ein laufendes oder ein Folge-Projekt gewinnen
  • du positionierst dich sichtbar als Experte deines Fachs

Keine ganz einfache Aufgabe, wenn du diese Ziele passend umsetzen magst. Wenn du dich entsprechend vorbereitest, kommst du schneller an diese Ziele. Eine der Grundlagen dafür ist, dass du mit deinem Poster packende Geschichten erzählst.

 

Deine Poster-Story

Langweilige Präsentationen sind out – sollte man meinen. Die Realität sieht anders aus: Schon die Titel der Poster schrecken oft von einer näheren Betrachtung ab: Zu kompliziert, zu unverständlich und mit Akronymen übersät, die nur dem Insider-Kreis bekannt sind. Sicher eine gelungene Strategie für jene, die nur in einen kleinen elitären Gruppe diskutieren wollen. Für die große Mehrheit der Wissenschaftler trifft es aber nicht zu.

Die Poster-Story fängt also schon beim Titel deiner Präsentation an: Anders als in einer Publikation ist der wissenschaftlich exakt ausformulierte Satz hier nicht entscheidend. Stichworte und verkürzte Sätze reichen oft schon aus. Du brauchst schon einen ausdrucksstarken Hingucker, damit du Aufmerksamkeit bekommst und Menschen für dein Thema interessierst. Ein origineller oder provokanter Titel kann also der Einstieg in eine anregende Diskussion sein.

Mein Poster, mit dem ich die mit Abstand größte Aufmerksamkeit bekam, hatte den Titel „Reddening as climatic indicator? Investigations on Quaternary soils and soil sediments of the Balearic Islands”. Speziell die einleitende Frage hat zahlreiche – mir bis dato nicht bekannte – Kollegen angezogen, so dass wir die Titelfrage ausgiebig diskutiert haben, bis weit über die Poster-Session hinaus.

 

Oft hilft auch ein kurzer Titel, wie die folgende Variante zeigt:

Original-Titel:
„Böden in der Dauerbeobachtung: Räumliche und zeitliche Veränderung von organischem Kohlenstoff und Gesamtstickstoff im Oberboden auf fünf unterschiedlich genutzten Ackerstandorten im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin“

Gekürzter Titel:
„So verändern sich organischer Kohlenstoff und Stickstoff in Oberböden von Ackerflächen im Biosphärenreservat“

Der Titel der Poster-Präsentation ist jetzt um die Hälfte gekürzt: von 220 auf 108 Zeichen, von 66 auf 33 Silben und von 23 auf 13 Worte.

Entscheidend ist, dass du als Autor klare Prioritäten setzt, anstatt zu viele Details aufzuführen – auch wenn du Inhalte damit verkürzt wiedergibst. Im Beispiel wäre die Dauerbeobachtung nicht mehr sofort erkennbar. Hat diese Priorität, könnte der Titel auch so lauten:

„Dauerbeobachtung von Biosphärenreservat-Ackerflächen zeigt, dass sich organischer Kohlenstoff und Stickstoff in Oberböden verändern“

Ist dagegen der Standort entscheidend, z.B. für eine Präsentation im betroffenen Landkreis, bietet sich folgender Titel an:

„So ändern sich organischer Kohlenstoff und Stickstoff in Oberböden im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin“

In jedem Fall hilft es, wenn du Substantive reduzierst und möglichst durch Verben ersetzt. Es mag provokant klingen: Hier kann die Wissenschaft viel aus der Werbebranche lernen, wo Botschaften oft verkürzt dargestellt, aber schnell auf den Punkt gebracht werden.

 

Dein Science Pitch

Was präsentierst du zur Vorstellung deines Posters? Beim Rundgang mit Kurzvorstellung aller Poster geht es für dich darum, deine ganze bisherige Forschung in zwei Minuten zu packen. Aber schon das Poster ist eine kompakte Zusammenfassung deiner Forschung. Wie fasst du dich also kurz? Es geht nicht darum, alle Inhalte komplett herunterzubeten: Einleitung – Methoden – Ergebnisse – Diskussion – Literatur-Quellen – Danksagung. Besser hebst du in Form eines „Science Pitch“ besonders interessante Aspekte und Erkenntnisse deines Projekts hervor: Wie im Elevator Pitch kommt es darauf an, dass du schnell auf den Punkt kommst, statt zu viele Einzelheiten wiederzugeben.

Eine kurze Einleitung, damit dein Publikum das Setting kennt – also Fragestellung und Versuchsaufbau oder Ort der Handlung. Dann stellst du kurz die ein oder zwei entscheidenden Ergebnisse vor, die dir einen Erkenntnisgewinn gebracht haben. Um zur späteren Diskussion anzuregen, kannst du an der Stelle offene und kontroverse Fragen einflechten.

Anstatt zum Poster sprichst du zum Publikum hin: wie im Vortrag ist auch hier der Augenkontakt mit deinen Zuhörern von Bedeutung, während du sprichst. Am besten stellst du ein oder zwei besonders spannende Abbildungen oder Fotos deines Posters vor. Mache dein Publikum auch neugierig auf deine weiteren Ergebnisse: du kannst deine Erkenntnisse auf frühere Ergebnisse beziehen – am besten auf jene der anerkannten Experten und besonders auf Ergebnisse deiner Kollegen, die auf deiner Session ebenfalls präsentieren. Damit regst du zusätzlich die Diskussion an und positionierst dich gleichzeitig als Experte deines Fachs.

 

So bleibst du im Gespräch

Im Idealfall geht es für dich nach der Präsentation weiter. Dein „Science Pitch“ fordert wie jeder Elevator Pitch zu einer konkreten Handlung auf. Du kannst zur weiteren Diskussion während der Poster-Session oder zur nächsten Kaffeepause einladen, oder selbst Fragen an dein Publikum richten. Oder du gibst jedem deiner Zuhörer eine A4-Farbkopie deines Posters auf besonders stabilem Papier, natürlich zusammen mit deiner Visitenkarte und einer mündlich kommunizierten Einladung.

Bekommst du selbst Visitenkarten oder Kontaktinformationen, kannst du selbst den Folgekontakt initiieren, indem du deine Kollegen per E-Mail anschreibst oder sogar persönlich anrufst.

Das hebt dich von den meisten anderen ab und vermittelt im Idealfall nicht nur deine Fachwissen, sondern auch deine Offenheit und dein Interesse am Inhalt. In Kombination mit einem optisch ansprechend gestalteten und inhaltlich aktuellen Poster fällst du positiv auf und positionierst dich als Experte.

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